Ein Bericht von Sven Ladwig, Wakendorf

Eine Herausforderung in lohfarbig schwarz

Vorgeschichte

Seit die Zwergwidder, damals noch Widderzwerge, bei uns auf den Ausstellungen auftauchten, haben sie eine große Verbreitung erfahren. Anfangs war das Farbspektrum noch sehr klein, aber durch die sehr große Beliebtheit der Widder im Miniaturformat und der schnellen Verbreitung stieg auch stetig das Interesse neue Farbe herauszuzüchten. Fast alle erdenklichen Ausgangsrassen wurden auf die Zwergwidder übertragen.

Ein sehr interessanter Farbenschlag wurde mit den Lohfarbigen erschaffen. Gerade mit den „Schwarzen“ ist das Farbspiel mit den rötlich-braunen Abzeichen für das Auge sehr auffallend.

Die Achtziger des letzten Jahrhunderts waren die Wiege für die viele neue Farbvarianten. 1987 wurden die Zwergwidder lohfarbig als Neuzüchtung vom damaligen ZDK (heute ZDRK) anerkannt. Es sollten noch fast weitere zehn Jahre ins Land gehen, bis sie 1997 als weiterer Farbenschlag in den Standard aufgenommen wurden. Christoph Joerges aus Lüdinghausen/Westfalen gilt als Herauszüchter der Lohfarbigen und weiterer anderer Farben. Die ersten Tiere wurden aus Zwergwiddern wildfarben und den Lohkaninchen schwarz herausgezüchtet. Weitere Einkreuzungen wurden mit den Farbenzwergen lohfarbig, den Deilenaar und den Zwergwiddern gelb unternommen. Obwohl die ersten Nachzuchttiere schon recht ansprechend waren, sind auch damals wie heute noch der Größenrahmen und das teilweise schnell erreichte Höchstgewicht das Problem in der Zucht. Nur die besten Typtiere in enger Linien- und Verwandschaftszucht brachten den Durchbruch, den wir heute auf unseren Ausstellungen bewundern können. Als vor fast zwanzig Jahren die Lohfarbigen in den Standard aufgenommen wurden, hat man damals die Blaulohfarbigen und Braunlohfarbigen des Lohkaninchens mit anerkannt. Heute kann man sogar Fehfarbige in sehr guter Qualität bestaunen.

Erbformel

lohfarbig schwarz ABCDgoy/ABCDgoy
lohfarbig blau ABCdgoy/ABCdgoy
lohfarbig havannafarbig ABcDg0y/ABcDgoy
lohfarbig fehfarbig ABcdgoy/ABcdgoy

1. Gewicht

Der Standard sieht ein Normalgewicht von über 1,5 kg bis 1,9 kg vor. Über 1,9 kg bis zum zulässigen Höchstgewicht von 2,0 kg wird ein Punkt abgezogen. Darüber hinaus erfolgt eine Bewertung mit n.b.

Auch wenn die meisten Lohfarbigen nicht mehr an dem oberen Gewichtsrahmen kratzen, ist es immer noch das größte Problem in der Zucht. Da sie aus einer größeren Rasse herausgezüchtet wurden, schlägt ab und zu der Größenrahmen voll durch. Die Herabsetzung des Normalgewichts von 2,0 kg auf 1,9 kg hat diese Zucht nicht gerade leichter gemacht. Zwischenzeitlich haben aber die Züchter schnell darauf reagiert und den Größenrahmen sehr typvoll durch Zuchtauslese verkleinert. Heute, gerade auf Vergleichsschauen und Bundesschauen, übersteigen fast keine Lohfarbigen die Gewichtsgrenze.

Pos.2 Körperform, Typ und Bau

Eine der wichtigsten Positionen der Zwergwidder stellt die Körperform dar. Ein Zwergwidder hat kurz und gedrungen, vorne und hinten gleich breit zu sein und soll eine abgerundete Hinterpartie aufweisen. Das Tier darf keinen sichtbaren Hals haben und natürlich keine Wammenbildung zeigen.

Ein Augenmerk sollte auch auf die Läufe gelegt werden. Die Vorderläufe sollten kurz und kräftig sein, um auch die geforderte Stellung zu garantieren. Die Hinterläufe stehen parallel zum Körper, was oftmals nicht der Fall ist.

Fehler in der Körperform, wie z.B. vorne etwas schmal, hinten eckig oder ein etwas großer Typ haben bei der Zuchttierauswahl nichts verloren. Da die Lohfarbigen aus einer größeren Ausgangsrasse stammen besteht hier eine große Herausforderung. Sehr oft sieht man noch Tiere mit etwas langem Körperbau, gerade überjährige Häsinnen bleiben selten bei 1,9 – 2,0 kg stehen.

Pos.3 Fellhaar

Das Fellhaar der Zwergwidder wird entsprechend dem Größenrahmen verhältnismäßig kurz verlangt. Dicht in der Unterwolle, gleichmäßig und nicht zu hart in der Begrannung. Da der Standard keine konkrete Längenangabe hergibt, sollte man sich an den Hermelin und an den Farbenzwergen orientieren.

Durch den stetig verbesserten Zuchtstand der Lohfarbigen gibt es schon recht ordentliche Fellträger. Ab und zu steht hier schon mal die Bewertung bei 14,0 Punkten. Die recht langen und dünnen Felle gehören schon fast der Vergangenheit an, was auch recht häufig markantere Köpfe vortäuschte.

Pos.4 Kopfbildung

Typisch für Rammler und Häsin ist der ausgeprägte Widderkopf. Er ist das Aushängeschild dieser Rasse. Er soll kurz und kräftig sein, sowie eine breite, gut entwickelte Schnauzpartie besitzen. Dabei sollte der Zwergwidderkopf starke Kinnbacken, eine breite Stirn und eine schöne Ramsung zeigen.

Die Kopfbildung bereitet zumeist keine großen Probleme. Nur vereinzelnd sieht man schmale und lange Köpfe. Die Meßlatte in dieser Position hängt sehr hoch. Oft hängt die Kopfbildung davon ab, ob das Tier gefällt oder nicht. Der Kopf der Zwergwidder muß durch sich selbst wirken. Auch ein etwas längeres Fellhaar täuscht oft markantere Köpfe vor. In dieser Position wurden mit dem Behang die größten Fortschritte erzielt und wirken schon recht typisch.

 

Typisch für den Zwergwidder, ist wie der Name schon sagt, der ausgeprägte Widderkopf. Ein Widderkopf sollte kurz und kräftig sein und zeichnet sich durch seine breite Schnauzpartie und Stirn aus. Abgerundet wird das Bild eines optimalen Widderkopfes durch starke Kinnbacken und einen stark gewölbten  Nasenrücken, die sog. Ramsnase. Es ist dabei auf einen für beide Geschlechter typischen Kopf zu achten.

Pos.5 Behang

Der Behang ist das zweite Aushängeschild dieser Rasse. Man sollte von Anfang an großen Wert darauf legen. Der Behang wird im Idealfall hufeisenförmig mit der Schallöffnung nach innen getragen. Im derzeitigen Standard wird die Länge mit 22 – 28 cm angegeben, wobei die Ohrenlänge waagerecht über dem Kopf von Ohrspitze zu Ohrspitze (leicht angezogen) gemessen wird. Die Kronen werden durch die stark ausgeprägten Ohransätze und eine entsprechende Behaarung gebildet. Eine Behanglänge von 24 – 26 cm wird in unserer Zucht bevorzugt, denn sie paßt am besten zum Größenrahmen vom Gewicht um die 1,8 kg. In der jüngeren Vergangenheit gab es noch verhältnismäßig viele schwebende und schlecht getragene Behänge. Oftmals waren die Behänge recht kurz und der Ohrenansatz war recht weit in der Kopfmitte. Eine größere Verbreitung hat den Lohfarbigen gut getan und das Problem konnte recht gut durch Zuchtauslese behoben werden.

Pos.6 Farbe und Zeichnung

In dieser Position besteht das Dilemma, das hier gleich drei Merkmale der Lohfarbe zusammengefasst werden. Um die Kopfzeichnung, Rumpfzeichnung und die Farbe bewerten zu können, bedarf es sehr viel Fingerspitzengefühl. Noch gibt es hier 10 Punkte für das ideale Tier, im neuen Standard sollen 15 Punkte zur Verfügung gestellt werden.

Bei den Lohfarbigen sticht zuerst die Kopfzeichnung hervor. Sie setzt sich aus den Augenringen, der Nasenloch- und Kinnbackeneinfassung, den lohfarbig eingefaßten Ohrenrändern und, bei hochgehaltenen Ohren, die Ohrenflecken vor den Ohren zusammen. Hier werden schon sehr schöne Augenringe sowie Nasenlocheinfassungen gezeigt, sie sollten eine intensive Lohe vorweisen und scharf abgegrenzt sein. Hier kann man beobachten, daß Augenring und die Einfassung der Nasenlöcher eng in Zusammenhang stehen müssen. Schöner Augenring bedeutet meist unsaubere Naseneinfassung und genauso auch umgekehrt. Bei den Schwarzen sind dennoch sehr schöne, nicht zu schmale bzw. zu breite Augenringe zu sehen.

Die Rumpfzeichnung ist der zweite Aspekt der Lohfarbe. Die Rumpfzeichnung ist scharf abgegrenzt. Hierzu gehört die lohfarbige Brustzeichnung, die breit hervortritt. Sie beginnt unter dem Kinn, zwischen den Vorderläufen hindurch und geht in die Bauchfarbe über. Der Bauch sollte eine kräftige Lohfarbe zeigen, die im Idealfall bis auf den Haarboden reichen sollte. Hier läßt sich beobachten, daß viele Tiere meist noch cremefarbig sind und die Blumenunterseite fast weiß erscheint. Einige Widder zeigen sogar Schoßflecke, die sich von der Bauchfarbe abheben.

Kräftig tritt die lohfarbige Begrannung an der Rumpfseite in Erscheinung. Die Seitenspitzen sollen ca. 2/3 der Rumpfhöhe bedecken und sich am Körper scharf abgegrenzt zeigen. Ebenfalls ist der Nackenkeil lohfarbig und abgegrenzt zu sehen. Scharf abgegrenzt ist auch die Zeichnungsfarbe der Läufe vorne wie hinten. Züchterisch ist hier noch einiges zu leisten, vereinzelnd sieht man jedoch schon recht gute Tiere. Die Lohe der Brust muß noch verbessert werden. Viele Widder zeigen schon hervorragende lohfarbige Zehenpunkte, die jedoch nicht vernachlässigt werden sollten. Bei der Farbe sollte ein sattes, glänzendes Schwarz gezeigt werden, dann kommt der Farbkontrast mit der Lohe am Besten zur Geltung. Zur Farbe gehört auch die Augenfarbe, die dunkelbraun ist. Die Krallenfarbe ist dunkelhornfarbig bis schwarzbraun. Die Unterfarbe ist intensiv blau und reicht bis zum Haarboden.

Ab und zu sieht man noch leicht durchsetzte Deckfarben mit weißen und lohfarbigen Haaren, diese sollte man nicht in die Zucht nehmen.

Noch zu erwähnen ist, daß auch recht ansprechende lohfarbige Zwergwidder in blau, havannafarbig und auch in fehfarbig gezeigt werden. Die Zucht ist doch relativ anspruchsvoll und man braucht viel Fingerspitzengefühl für die Auswahl der Zuchttiere. Aber eine stetige Auslese auf das Wesentliche bringt schnell den gewünschten Erfolg.

Rassebeschreibung

Siehe ZDRK - Standard von 2004 und Europa - Standard 2012

Wir danken Sven Ladwig und Wolfgang Jensen für ihre Mitarbeit.

Das Copyright für diesen Bericht liegt bei dem Zuchtfreund Sven Ladwig bzw. der Arbeitgemeinschaft der Widderzüchter.

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