Ein Bericht von Henry Majaura.

Foto: Herbert Zimmer

Erbformel

achiBCDG/achiBCDG

Vielerlei Deckfarben

Genetischer Variantenreichtum ist ein Handicap der Zwergwidder, chinchillafarbig

Zwergwidder in ihrer schier unendlichen farblichen Vielfalt können heute als eines der Sinnbilder moderner Rassekaninchenzucht gelten, in welcher der Freizeit- und Erholungsgedanke das vormalige Streben nach Selbstversorgung und Wirtschaftszucht abgelöst hat. Aus schüchternen Anfängen vor rund 60 Jahren haben sie sich zur weitaus beliebtesten Kaninchenrasse entwickelt. Nachdem an farblichen Kombinationen so ziemlich alles vorhanden ist, was der Standard derzeit erlaubt, geht die Entwicklung weiter, und neue Kombinationen aus Typ, Farbe und Haarstruktur werden folgen.

Chinchillafarbige Zwergwidder gehörten zu den Ersten, die den Siegeszug der Rasse mitbegründeten. Mit Großchinchilla aufgewachsen, konnte ich mir persönlich anfangs nicht vorstellen, dass aus dieser Kombination von Typ und Farbe, besonders wegen des aufgehellten Kronenbereiches, etwas Harmonisches entstehen könnte. Durch den Umgang mit ihnen bin ich aber eines Besseren belehrt worden. Unter den Farbenschlägen der Zwergwidder waren sie es jedoch auch, die beim Versuch, aus gewöhnlichen hängeohrigen Kaninchen ordentliche Widder zu formen, den größten Widerstand leisteten und den züchterischen Ehrgeiz zusätzlich anstachelten. Heute haben unsere chinchillafarbigen Zwergwidder einen recht gesicherten Bestand, nachdem sie seit Bremen 2001 (vier Tiere) kontinuierlich auf unseren Bundesschauen präsent sind. Ihr Anteil an der Gesamttierzahl liegt derzeit bei 0,25 % (ca. 60 Tiere), unter den Zwergwiddern macht das einen Anteil von etwa 2,75 % aus. Ihren Höhepunkt erlebten sie zur vergangenen Bundes-Kaninchenschau 2013 in Karlsruhe, als 92 chinchillafarbige Zwergwidder (0,36 %) präsentiert wurden.

Anforderungsprofil

Größe, Körperform, Typ und Bau

Hier gelten die allgemeinen Anforderungen an die Zwergwidder. Ihr Mindestgewicht beträgt 1,4 kg, das Normalgewicht 1,5–1,9Êkg und das Höchstgewicht 2,0 kg. In den Zuchten treffen wir alles an, was im gesteckten Rahmen liegt und jeder Züchter entscheidet für sich, ob ihm kleinere Tiere mit einem Gewicht um 1,6 kg oder der etwas größere Schlag mit um die 1,8 kg mehr zusagt. Eine Richtung allerdings sollte man seiner Zucht geben, um unnötige Spalterbigkeiten in Größe und Typ zu vermeiden. Hinsichtlich Körperform, Typ und Bau soll hier auf den Standard verwiesen werden, da es bei den chinchillafarbigen Zwergwiddern kaum andere Zuchtschwerpunkte gibt als bei vielen anderen Farbenschlägen. Gegebenenfalls ist in der einen oder anderen Zucht derzeit noch der Schwerpunkt auf das Erreichen des vorgeschriebenen kurzen, blockigen Typs hinzuwirken. In andere Linien hält die geforderte Wammenfreiheit sowohl bei Häsinnen als auch bei Rammlern noch einiges an Selektionsarbeit bereit, und auch vorstehende Hüfthöcker, die zu eckigen Hinterpartien führen, sind hier und da nicht von der Hand zu weisen.

Das Fellhaar

Die Anforderungen an das Fellhaar chinchillafarbiger Kaninchen harmoniert nicht vollständig mit den Standardanforderungen für Zwergwidder. Entsprechend des Größenrahmens ist ihr Fellhaar verhältnismäßig kurz. Das Unterhaar ist dicht, das Deckhaar von feiner Struktur. Die feinen Grannen sind gleichmäßig verteilt, die Ohren gut behaart. Sollen chinchillafarbige Zwergwidder eine hochwertige Deckfarbe zeigen, ist bei ihnen ein insgesamt etwas kräftigeres Grannen-, gegebenenfalls auch Deckhaar erforderlich, wobei die Grannen das Deckhaar um gut 5,0 mm überragen sollen. Die Elastizität muss dabei erhalten bleiben und so ein griffiges Fellhaar bewirken. Dann ist die Rasse in der Lage, eine flockige Schattierung bei gutem Glanz auszubilden. In vielen Zuchten ist dieser Stand inzwischen erreicht. Recht lange, weich und flatterig wirkende und zudem ziemlich dünne Behaarungen sind bei chinchillafarbigen Zwergwiddern aber nicht selten. Regional bestimmen derartige Linien sogar die Zucht. Mit Zugeständnissen bei der Bewertung ist niemandem gedient. Förderlicher ist es, sich in der eigenen Zucht an den Spitzen zu orientieren. Wenn alle Stränge reißen und wenn zu vertretbarem Aufwand kein fremdes Tier in die eigene Zucht genommen werden kann, wäre die Anpaarung an hervorragende Wildfarbe-ne möglich, die als Kreuzung innerhalb der Rasse nicht genehmigungspflichtig sind. Das birgt allerdings farbliche Gefahren, worauf ich später noch zurückkommen werde. Nach meinem Überblick verfügt der Farbenschlag aber über genügend Potenzial, auf eigenen Füßen einen allgemein hochwertigen Zuchtstand im Fellhaar zu erreichen. Nebenbei sei noch erwähnt, dass es innerhalb der IG Zwergwidder-Satin Bestrebungen gibt, chinchillafarbige Rassevertreter mit Satinhaarstruktur in das Zulassungsverfahren zu entsenden. Erste, sehr hoffnungsvolle Zuchttiere sind vorhanden. Leider verfügen zwei der bislang drei Interessenten nicht über die erforderliche Mitgliedschaftsdauer, sodass noch etwa drei Jahre abgewartet werden müssen, falls vor-erst keine weiteren Züchter hinzukommen.

Vergleicht man das Siegertier der 23. Bundes-Rammlerschau 2011 in Rheinberg (97 Pkt.; Bernd Biefel, Neuwied) auf Seite 4 mit chinchillafarbigen Zwergwiddern der 1990er-Jahre, wird die positive Entwicklung der Rasse umso deutlicher. Diese Aufnahmen (v. l.) stammen von der Landes-Clubschau Hessen-Nassau 1992 (95,5 Pkt.; Jürgen Schmidt, Beselich), der Landes-Clubschau Rheinland-Pfalz 1996 (96 Pkt.; Alfons Wiehn, Kaiserslautern) und der 17. Bundes-Rammlerschau 1999 in Saarbrücken (96 Pkt.; Hans Höhne, Murr).

   

Fotos: B&S Fotostudio (2), Archiv

Der Kopf

Während unsere stark verbreiteten Farbenschläge der Zwergwidder inzwischen fast vollständig mit Köpfen aufwarten, die nur noch im Ausnahmefall keine 14,5 Punkte bei der Bewertung erreichen, ist das bei den chinchillafarbigen wesentlich differenzierter zu betrachten. Laut Standard soll ihr Kopf kurz und kräftig sein. Beide Geschlechter zeichnen sich durch eine breite Schnauz- und Stirnpartie und die der Rasse eigene, ramsig gebogene kurze Nase aus. Rammler werden geschlechtstypisch von ihren breiten Backen geprägt. Die wenigen Linien, deren Tiere keine widdertypischen Anlagen zeigen, sollen außer Betracht bleiben. Doch dann fallen noch immer zwei wesentliche Abweichungen auf, die dem idealen Widderkopf entgegenstehen. Zum einen werden regelmäßig Tiere mit recht gestrecktem Nasenrücken vorgestellt, die dann auch die gewünschte Ramsung nicht ausbilden können. Noch häufiger fallen solche auf, deren Schnauzpartie keilförmig zuläuft und so die erforderliche Breite, die etwa der Stirnbreite entsprechen soll, nicht erreicht. Widderköpfe, die ein Verhältnis zwischen Stirnbreite, Länge des Nasenrückens von der Spitze bis zur Ramsung und Schnauzenbreite von nahezu 1 : 1 : 1 erreichen, sind bei unseren Chinchillafarbigen noch die Ausnahme. Allerdings konnten Rassevertreter bei vergangenen Großschauen, die zu besuchen ich Gelegenheit hatte, sehr gute Ansätze offerieren, auf die es aufzubauen gilt.

Der Behang

Ideal gilt eine Behanglänge von der einen zur anderen Ohrenspitze über dem Kopf gemessen von 22–28 cm. Da die Behanglänge und der Größenrahmen eine proportionale Einheit bilden, lassen sich heute keine absoluten Sollmaße mehr festlegen. Im überwiegend bei dem Farbenschlag vorkommenden Gewicht von 1,7–1,9 kg wird die Behanglänge bei 24–26 cm angesiedelt sein. Werden die Tiere kleiner, sind die Behänge natürlich auch kürzer. Ein Zwergwidder um 1,6 kg wird nur noch 23 cm Behanglänge aufweisen, was dann ideal ist, während ein Tier, das ein Gewicht von 2,0 kg erreicht, selbstverständlich auch im Behangmaß an der Obergrenze liegen wird. Es sind hier bei der Bewertung ein Höchstmaß an Fingerspitzengefühl und ein gutes Augenmaß erforderlich. Der Behang aber ist wie auch der Kopf im Zusammenspiel all seiner Merkmale zu betrachten. Zur Länge gesellen sich dabei die Behangstruktur, die Ausformung der Ohrmuscheln, deren Abrundung, die Trageweise und nicht zuletzt die Krone hinzu. Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Behänge der Chinchillafarbigen regelmäßig durch ein recht gefälliges Zusammenspiel aller ihrer Faktoren auffallen. Die Struktur entspricht im Allgemeinen den Anforderungen. Entsprechend sind die Tiere auch in der Lage, ihre Ohrmuscheln schön offen und in perfekter Rundung zu >>>

Dieser Zwergwidder-Rammler zeigt das sogenannte Löffelohr. Die Behangstruktur ist beeindruckend, doch wegen der verbreiterten und verdickten Wülste kann der Behang nicht fallend getragen werden.

Dieser Jungrammler zeigt eine gute Stirnbreite, ausgeprägte Backen, und selbst in dieser Einstellung lässt sich eine klasse Ramsung erahnen. Die etwas keilförmig auslaufende Schnauzpartie weicht jedoch vom Ideal ab.

Die Farbe

Während diese Position bei unseren Chinchillakaninchen dreigeteilt ist, ihren Züchter somit vielseitig fordert und dreifach zu Spitzenleistungen animiert, ergibt die Zusammenlegung aller Farbprämissen in der Position 6 eine geringere Motivation, hier das Letzte aus dem genetischen Farbpotenzial der Rasse herauszuholen. Das kommt nicht von ungefähr, denn trotz mehr oder weniger leichter Fehler in jeder der drei Unterpositionen wird sich das Bewertungsurteil bei 9,0 bis 9,5 Punkten einpendeln. Ausschließlich aufgrund der Zusammenlegung eines Komplexes von Merkmalen kann eine Rasse anderen gegenüber, bei denen dort nur ein Merkmal zu bewerten ist, nicht schlechter gestellt werden.

Die Deckfarbe erscheint laut dem Standard von 2004 als „bläulich abgetöntes lichtes Aschgrau mit einer kräftigen, flockigen schwarzen Schattierung, die am stärksten auf dem Rücken ausgeprägt ist. (...) Die Farbe von Brust und Läufen soll der Gesamtfarbe entsprechen. Die Deckfarbe soll an den Seiten des Körpers möglichst weit nach unten reichen.“ Die Wildfarbigkeitsabzeichen am Kopf und Genick sind grauweiß bis weiß, die Bauchdecke, die Blumenunterseite und die Innenseiten der Hinterläufe sind weiß.

Chinchillafarbige Zwergwidder halten eine ungeheure Streuung innerhalb der Deckfarbe von Zucht zu Zucht vor. Auf unseren Großschauen kann man im Grunde genommen eine Zweiteilung erkennen. Die eine Hälfte präsentiert zunehmend eine Deckfarbe, die sich unseren Chinchillarassen im Wesentlichen angeglichen hat. Treten Fehler auf, dann in der Regel als etwas helle Vorderläufe, in Form von Bindenansätzen, etwas aufgehellter Brust und/oder Seiten. Die zweite Hälfte sind chinchillafarbige Zwergwidder mit heller bis sehr heller Deckfarbe, die nur noch Aschgrau ohne jeglichen bläulichen Schein ist. Hier sollte entgegen dem Vorangesagten bei der Bewertung stärker mit zuchtfördernden Hinweisen gehandelt werden. Solche Tiere sollten den wirklichen Chinchillas gegenüber herabgestuft werden. Genauso sollte den verbreitet auftretenden hellen Läufen begegnet werden, die den Farbenschlag dominieren. Tiere mit satt gedeckten Vorderläufen sind leider noch recht selten.

Alles hat seine Ursache. Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass zur Stabilisierung des Farbenschlags in den Typpositionen im guten Glauben der Genetik folgend Albinos eingesetzt wurden und werden. Der Grund: Die Chinchillafarbe ist den Albinos gegenüber dominant, und schon in der ersten Generation sollten brauchbare Chinchillas fallen. Dem ist auch so. Der schnelle Erfolg ist jedoch mit dem Handicap verbunden, dass die Deckfarbe unweigerlich stark aufhellt. Zudem lassen Zwischen- und Unterfarbe nach solchen Experimenten merklich nach. Eine Ursache dafür ist, dass der Züchter an Albinos nicht erkennen kann, welche Farbqualität diese bergen und an ihre Nachkommen weitergeben. Als sinnvolle Alternative bleiben hochklassige wildfarbene Zwergwidder. Hier lebt man mit dem gegenteiligen Phänomen: Sehr oft nehmen die Jungtiere der F2-Generation einen Zwischenfarbton von Wild- und Chinchillafarbe ein.

Als sich meine Tochter vor zehn Jahren entschloss, die Zucht dieses Farbenschlags aufzunehmen, und ich das Vorhaben begleitete, waren wir aus Gründen der fehlenden Verfügbarkeit angehalten, eingangs derartige Kreuzungen mit wildfarbenen Zwergwiddern vorzunehmen. In einem Sechserwurf befanden sich vier Chinchilla farbige, die aber erst ab einem Alter von 14 Tagen sicher von den Wildfarbenen zu unterscheiden waren. Davor waren allesamt irgendwie bräunlich. Heute beobachte ich dieses Phänomen regelmäßig wieder im Zusammenhang mit der Erzüchtung castorfarbiger Zwergwidder-Satin, bei denen selbstredend auch eigene chinchillafarbige Zwergwidder als Ausgangstiere verwendet werden.

Um dem nachfolgenden Abschnitt etwas vorwegzunehmen: Es waren dunkelchinchillafarbige Tiere, die Reste gelbbraunen Pigments in der Wildfarbzone des Deckhaars und in der Zwischenfarbe aufwiesen, was im Bereich der Schultern und des Keils besonders deutlich wurde. Eigentümlicherweise „verwuchsen“ sich die Farbfehler später, und wer die Entwicklung der Tiere nicht kannte, sah später auch nichts Auffälliges mehr an ihnen.

Mit Rost, ein wirklich ernstes Problem des Farbenschlages, ist das bitte nicht zu verwechseln. Rost tritt an den Haarspitzen, niemals aber an der Zwischenfarbe auf.

Vorausgesetzt, die Fellhaarstruktur „stimmt“, wie beschrieben, dann zeigen chinchillafarbige Zwergwidder inzwischen eine sehr schöne, flockige Schattierung, die sich auch hier und da bereits dem Ideal nähert. Auch an der Sprenkelung der Blumen Oberseite gibt es im Normalfall nichts auszusetzen.

Die Zwischenfarbe ist etwa 4,0–5,0 mm breit, reinweiß und zur Deck- und Unterfarbe scharf abgegrenzt. So lautet das vom ernst-haften Züchter formulierte und damit die Forderungen des Standards etwas übertreffende Ziel. Um es vorwegzunehmen: Tat-sächlich hochklassige Zwischenfarben sind beim Farbenschlag noch die Ausnahme. Diese hervorzuheben soll hier nicht versäumt werden. Das klare Weiß wird aber sehr selten erreicht. Zeigen die Tiere im Farbtrichter einen grauweißen Ring, je reiner desto besser, und ist dieser mehr oder weniger gut abgegrenzt, ist der derzeitige Zuchtstand erreicht. Sehr oft werden Tiere mit sehr breiter, verwaschener Zwischenfarbe vorgestellt oder auch solche, deren Zwischenfarbe so schmal ist, dass sie nur noch zu erahnen ist. Soll der Weg zur Verbesserung über Wildfarbige eingeschlagen werden, muss dort auf eine klare Abgrenzung sowie auf eine gelbbraune Färbung geachtet werden, bei der die Betonung deutlich auf Gelb liegt. Es ist nämlich von Folgendem auszugehen: Je dunkler braun die Wildfarbe ist, umso mehr Reste schwarzer Pigmentierung bleiben nach Wirkung des Chinchilla Faktors im weißen Feld übrig, und die Zwischenfarbe wird mehr oder weniger grau sein. Theoretisch sollten dort keine schwarzen Pigmente in der Zwischenfarbzone vorhanden sein.

Als man nach Auftauchen der Lutinokaninchen um 1980 – das sind die Gelben mit den roten Augen, die kein schwarzes Pigment ausbilden können – versuchte, schwarze Lutinos zu züchten, die dann rein-weiß mit roten Augen sein und Albinos gleichen sollten, stellte man fest, dass das Weiß eher gleichmäßig rauchig-beige war. Bei den Meerschweinchen gibt es diese Farbe auch, sie heißt dort „Shadow“. Hier waren in der schwarzen Farbzone (etwa der Alaska) wohl auch einige gelbbraune Pigmente vorhanden, die im schwarzen Fell verschwinden und beim genannten Kreuzungsversuch ans Licht befördert wurden, wie mir die sächsische Satinangorazüchterin Renate Regitz mündlich erläuterte. Bei unseren Chinchillafarbigen können wir vom gegenteiligen Vorgang ausgehen, und im Bereich der Zwischenfarbe bleiben nach Auslöschen des Gelbbrauns Reste schwarzen Pigments übrig, die dem Weiß die Leuchtkraft stehlen.

Für die Unterfarbe gilt sinngemäß das-selbe. Der Zuchtstand lässt sich mit dem der Kleinchinchilla noch nicht vergleichen. Im Allgemeinen finden wir die Unterfarbe am Haarboden aufgehellt vor, was sich in einer Breite von bis zu einem Zentimeter, je nach Haarlänge auch mehr, erstrecken kann. Hier ist das Zuchtziel klar umrissen. Die Unterfarbe muss in der Tiefe breiter werden, nach Möglichkeit den Haarboden erreichen. Ist das erreicht, dann ist zu erwarten, dass die Intensität schon allein durch die Breite des im Stapel liegenden tiefblauen Haares deutlich zunimmt.

Alles Chinchilla? – Kleine Betrachtung zur Albinoreihe

In der dritten Auflage von Friedrich Joppichs „Das Kaninchen“ von 1967 finden wir aus der Geschichte der Rassekaninchenzucht zwei Hinweise, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die heutige Zucht der chinchillafarbigen Zwergwidder übertragen werden können und die durchaus noch relevant sind. Der Erste lautet: „Ein Rückschlagauf die Wildfarbe ist z. B. der gelbbraune Anflug, der sich oftmals an der Schnauze, auf der Nase, an den Kinnbacken, den Ohren, sogar bisweilen auch am übrigen Körper auf der Decke und, was noch viel schlimmer ist, in der Zwischenfarbe bemerkbar macht. Solche Tiere sind nur bedingt für die Zucht einfarbiger Chinchilla brauchbar.“ Leider konnte ich bislang keine  authentische Beschreibung von Prof. Hans Nachtsheim zur Farbe Dunkelchinchilla finden. Aus der Tatsache, dass Nachtsheim das Gen der Wildfarbe unmittelbar folgen >>>

Zwergwidder-Satin, chinchillafarbig, aus der Zucht des Autors, könnten irgendwann das Rassespektrum bereichern. Bei prima Deckfarbe, Schattierung und Satinglanz ist an den Typmerkmalen natürlich noch zu feilen.

Dieser Altrammler verkörpert einen hervorragenden Typ, verdeutlicht aber auch drei Probleme der Rasse: Er gehört zur Fraktion der hellen chinchillafarbigen Zwergwidder, zeigt im Zustand der Haarung Rost und stressbedingt eine etwas zwanghafte Behanghaltung.

Fotos: Henry Majaura

   

Bei diesen beiden Zwergwiddern, chinchillafarbig, handelt es sich um Wurfgeschwister. Das untere Tier ist dunkelchinchillafarbig ad/achi(?), das obere Tier chinchillafarbig achi/achi. Beim dunkelchinchillafarbigen Rassevertreter ist ein gelb-bräunlicher Anflug deutlich sichtbar, der sich besonders über den Schulterbereich erstreckt. Am unteren Farbtrichter ist ersichtlich, dass die Zwischenfarbe recht stark, die Wildfarbzone der Deckhaare dagegen vom Anflug eher nicht betroffen sind. Von Haarung zu Haarung wird die Zwischenfarbe reiner, bis lediglich leichte Andeutungen von Gelbbraun im Bereich des Keils übrig bleiben. Im Vergleich: der Farbtrichter des chinchillafarbigen Zwergwidders (oben).

 ließ, und der Logik folgend, muss diese Farbe eine Tönung annehmen, die irgendwo zwischen der Wild- und Chinchillafarbe an-gesiedelt ist, denn die Allele im Genort A beschreiben einen immer weiter fortschreitenden Pigmentverlust vom dunkelsten, der Wildfarbe, bis hin zum hellsten, dem Albino. Beim Dunkelchinchilla ist der Verlust der gelben Phäomelanine im Gegensatz zum Chinchilla noch nicht komplett erreicht worden, wodurch die Tiere einen gelbbräunlichen Schein annehmen. Interessanterweise tauchte die Farbe in meiner Zucht nach der Kreuzung von wild- und chinchillafarbigen Tieren auf. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass ad nicht vollständig dominant über achi ist sowie A nicht vollständig dominant über ad und die Allele sich zueinander intermediär verhalten. Dasselbe Phänomen kennen wir im Locus A beim Zusammenspiel des Marder- mit dem Russen- oder Albinofaktor. In der Zucht spielt das Allel ad eine eher untergeordnete Rolle. Gegebenenfalls vorkommende gelbliche Zwischenfarben und Anflüge lassen sich aber so erklären. Letztendlich ist der Dunkelchinchillafaktors in der Zucht chinchillafarbiger Zwergwidder unerwünscht. Da die Chinchillafarbe dieser Träger aber von Haarung zu Haarung reiner wird und diese Tiere im Zuchtalter kaum noch von Chinchillafarbigen zu unterscheiden sind, ist es durchaus möglich, dass die eine oder andere Linie von Dunkelchinchillas „unterlaufen“ wurde und dort weiterexistiert.

Was Heidrun Eknigk in ihrem Buch „Kaninchenvererbung“, erschienen bei Oertel + Spörer in Reutlingen, als Dunkelchinchilla beschreibt, ist dagegen ein Hinzugewinn von schwarzem Pigment, der im Genort B be-wirkt wird und in Kombination mit dem Chinchillafaktor Eisengrau-Chinchilla (achi-BeCDG) hervorbringt. Joppichs zweiter Hin-weis, der in diesem Zusammenhang wichtig ist, betrifft die Marderkaninchen: Dem Hamburger Züchter Emil Thomsen sei beim Ver-such, Opossumkaninchen zu erzüchten, durch Zufall – und nach dem von Joppich angeratenen Einsatz eines seiner Kleinchinchilla-Rammler – ein Wurf bronzefarbener Jungtiere ins Nest gefallen. Diese stellten sich >>>

Hellchinchillafarbige Tiere (l.) zeigen ihrer allgemeinen Färbung entsprechend extrem hellgedeckte Vorderläufe, jedoch hat die Deckfarbe der Vorderläufe bei „normal“ ausgefärbten chinchillafarbigen Zwergwiddern (r.) längst nicht das Niveau der Kleinchinchilla erreicht und Bindenansätze sind allgegenwärtig.

Fotos: Henry Majaura

später als die Ursprungstiere unserer Marderkaninchen heraus. Weiterhin berichtet Joppich, dass auch international Marderkaninchen entstanden, deren Ursprung immer auf Chinchillakaninchen zurückging. Aus Chinchilla lassen sich auf direktem Wege aber keine Marder erzüchten – wohl aber aus Homozygoten der Chin-Marder (am/am … G/G) oder aus Hellchinchilla, die auch vom Fachmann nicht oder kaum von „echten“ Chinchillakaninchen (achi/achi … G/G) zu unterscheiden sind. Das gilt zumal dann, wenn Letztere eine nach unseren Begriffen schlechte, ungleichmäßige Deckfarbe mit heller Brust und hellen Seiten aufweisen. Wenn ich eingangs von zweierlei farblichen Richtungen in der Zucht unserer chinchillafarbigen Zwergwidder sprach, so ist es in der farblich helleren durchaus möglich, dass Chin-Marder als Homozygoten dort verbreitet sind. Wer seine Tiere im Zweifelsfalle testen möchte, bediene sich eines Albinos als Partner. Bereits die erste Generation bringt unzweifelhaft Licht ins Dunkel.

Schluss und Ausblick

Zusammengefasst kann zur Genetik der chinchillafarbigen Zwergwidder eingeschätzt werden, dass diese im Gegensatz zu unseren klassischen Chinchillakaninchen heute wohl in drei Genotypen gezüchtet werden oder die drei Genotypen adBCDG, achiBCDG und amBCDG in den Zuchten wenigstens vorhanden sind. In welchem Um-fang das der Fall ist, kann von hier nicht entschieden werden. Zuchtziel muss es aber sein, durch Einschränkung des genetischen Variantenreichtums zu einer Vereinheitlichung der Deckfarbe zu gelangen und schließlich den Farbenschlag an die allgemeine Qualität der Chinchillakaninchen heranzuführen. Das genetisch zu untermauern und schließlich nur noch mit tatsächlichen Chinchillas zu züchten wäre der Weg, aus dem Vielerlei an Deckfarben und Schattierungen ein vereinheitlichtes, rassiges Bild in unseren Zuchten zu erreichen. Dies würde dem Wohl des Farbenschlages dienen, der auf dieser Basis in seinen Feinheiten nach und nach an die große Klasse unserer Kleinchinchilla herangeführt werden könnte.

Henry Majaura

Die Darstellung zeigt, dass in der Reihe des Locus A (Albinoreihe) ein ständiger Pigmentverlust vom  zum folgenden vorgelagerten  Allel einhergeht. In der klassischen Rassekaninchenzucht fehlen wildfarbige Rassen nach dem Chinchillafaktor, und Marder (g/g) erscheinen dunkler als Chinchilla. Das führte früher und führt auch heute häufi g zu Irritationen.

„Quelle: HK-Verlag, Kaninchenzeitung 21/22-2014“

 

Rassebeschreibung

Siehe: ZDRK - Standard von 2004 und Europa - Standard 2012

Bericht von Henry Majaura. Das Bildmaterial stellte uns freundlicherweise Henry Majaura, der HK Verlag und die AG-Widder zur Verfügung.

Wir danken Zuchtfreund Henry Majaura, dem HK Verlag  sowie Wolfgang Jensen für ihre Mitarbeit.

Für Ergänzungen oder weitere Hinweise sind wir sehr dankbar

Das Copyright für diesen Bericht liegt bei den Züchter Henry Majaura  bzw. der Arbeitgemeinschaft der Widderzüchter.

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