Einer der beliebtesten Farbenschläge der Zwergwidder

Ein Bericht von Sven Ladwig

Zuchthäsin mit sehr guten Abzeichen und Deckfarbe

Erbformel

ambCDg/anbCDg

Vorwort

Über die Zwergwidder ist in der Vergangenheit schon viel berichtet worden. Diese Rasse ist nunmehr schon 40 Jahre anerkannt, aber es kommen doch noch immer wieder neue Varianten als Neuzüchtung hinzu. Ein Farbenschlag der zu den Beliebtesten zählt ist der Siamesenfarbige in gelb. Auf jeder Vergleichsschau der Widderzüchter und auf Bundesschauen sind die in großer Anzahl zu sehen. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass dieser Farbenschlag auch in blau gezüchtet wird.Leider ist diese Farbvariante nur sehr selten auf Schauen zu sehen.Die ersten Kaninchen dieser Farbe sollen um 1920 in England durch den Züchter Irving entstanden sein. Es war wohl eine hellere Form des damaligen Marderkaninchens. Auch bei Emil Thomsen aus Hamburg-Stellingen, dem Herauszüchter der Marderkaninchen, sollen ebenfalls so um 1930 helle, cremefarbige Tiere mit marderähnlichen Abzeichen aufgetreten sein. Da es damals schon die Siamkatze gab, lag die Namensgebung Siamesen auf der Hand. Älteren Züchtern sind diese Kaninchen auch als madagaskarfarbige Marderkaninchen bekannt.

Oftmals stellt man sich in der Rassekaninchenzucht als „Neuling“ die Frage, ob man es mit den Siamesenfarbigen versuchen sollte. Es ist ohne Zweifel eine Farbe, die nicht so ganz einfach zu züchten ist. Auch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass sie spalterbig sind und jeder neue Wurf seine Überraschungen bringt. Wie auch das Marderkaninchen sind die Siamesenfarbigen ein Teilalbino. Da wir als Ausstellungstiere nur die Siamesenfarbigen in gelb bzw. in blau benötigen, fallen zusätzlich zur weiteren Zucht auch die Dunkelsiamesen und Russensiam oder Siamalbino an. Das theoretische Aufspaltungsverhältnis in der immer gleichen Verpaarung, Typtiere x Typtiere, im Verhältnis 1:2:1 kommt nur bedingt zum Tragen. Es kann auch mal vorkommen, dass in einem Wurf neben Siamgelben, Dunkelsiam, Siamalbino auch mal Blausiam fallen können.

Wenn die Häsin ihren Wurf erfolgreich gesetzt hat, muß man schon etwas Übung und Erfahrung haben, um die verschiedenen Farben zu erkennen. Am Wurftag sind noch alle Jungtiere rosa fleischfarbig. Aber schon ein bis zwei Tage später kann man sehr gut feststellen welche Farben im Nest liegen. Wenn beide Eltern reinerbig in der Farbe sind, sollten Dunkelsiam, Typsiam und Russensiam bzw. Albinos gefallen sein. Bei Tageslicht läßt sich der Wurf am Besten begutachten. Russensiam oder Albinos sind weiterhin fleischfarben, die Dunkelsiam erinnern an die braune typische Marderfarbe und die Typsiam lassen eine Art Silberung erkennen und sind wesentlich heller als die Dunkelsiam. Schwierig kann es zudem noch werden, wenn man in der Vergangenheit Gelbsiam mit Blausiam gemischt hat. Dann können auch im Wurf Blausiam und Russensiam in beiden Farben auftreten, die erst nach ca. 10 Tagen zu bestimmen ist, wenn sich hier die Maske anfängt auszufärben. Es gehört auch etwas Geduld und Fingerspitzengefühl dazu, um die Zucht der Siamesenfarbigen zu lenken. Am meisten werden Typ x Typtiere miteinander verpaart. Dennoch sollte man die Dunkelsiam bzw. Russensiam weiterhin in die Zucht mit einplanen. Nur bei Typtieren verliert sich die Farbeinlagerung, Abzeichen werden immer heller und der Rückenstreifen verliert ebenfalls an seiner Intensität. Manche sind dann nicht mal mehr angedeutet. Bei diesem Farbverlust bietet sich der Zuchteinsatz von Russensiam geradezu an, wenn diese eine herausragende Farbe an den Zeichnungsmerkmalen haben. Hingegen können Albinos keine Fortschritte in der Zeichnungsfarbe bringen. Um nur typische Ausstellungstiere zu erhalten, wäre die Paarung von Dunkelsiam mit den Russensiam: alle Tiere im Wurf wären typisch siamesenfarbig.

Wie man sieht, ist die Zucht der siamesenfarbigen Zwergwidder in gelb nicht so einfach, gerade auch durch die Spalterbigkeit der Tiere.

Ohne Probleme ist die Größe und der Gewichtsrahmen. Kopfbildung und Behang stehen den stark durch gezüchteten Farbenschlägen in nichts nach, oft sieht man hier die 15 – 15.

 

Rammler mit einem sehr guten Kopf und Behang

Was vielen Tieren noch fehlt ist die geforderte Körperform, auch das Fellhaar könnte in der Breite Verbesserung erfahren, es ist oftmals noch recht lang mit wenig Unterwolle.

Bei den siamesenfarbigen Zwergwiddern haben wir in der Position 6 die Deckfarbe, Abzeichen und die Unterfarbe zu beurteilen.

Bei den Gelbsiamesen wird eine Deckfarbe gefordert, die hellgelblich mit einem braunen Anflug sein soll. Dieser braune Anflug verstärkt sich im Schulterbereich und erscheint dort wesentlich intensiver. Die Seiten und die Brust sind aufgehellt und wirken weißlich gelb. Die Augenfarbe ist bräunlich, die Krallenfarbe ist dunkelhornfarbig. An der Krallenfarbe kann man auch leicht die Farbintensität im Zuchtstamm feststellen.

 

Zuchtrammler mit sehr schöner Deckfarbe

Die farbliche Blüte haben die Siamesenfarbigen mit ca. sechs bis acht Monaten, danach verlieren sie oftmals von Haarung zu Haarung an ihrer schönen Farbe und werden dunkler. Rammler behalten länger ihre Färbung, Häsinnen dunkeln schneller nach. Zu beobachten ist dies leicht bei Müttern, die sich Fell zum Nestbau rupfen, diese Stellen wachsen dunkler nach und wirken fleckig.

Als Phänomen auf Ausstellungen sieht man ziemlich häufig, dass sehr dunkle Siamesen in der Deckfarbe hoch bewertet werden. Sie haben nichts mit der Siamfarbe zu tun, sie wirken rußig und schmutzig und der helle Farbton fehlt.

Als leichte Fehler sind zu werten: eine leicht fleckige Deckfarbe, eine melierte Deckfarbe, eine leicht weiße Durchsetzung, etwas dunklere Seiten, eine dunkle Stirnpartie, ein unvollständiger Rückenstreifen und eine Abweichung von der vorgeschriebenen Augen- bzw. Krallenfarbe.

Fehler, die zum Ausschluss führen: eine zu dunkle oder zu stark fleckige Decke, eine starke weiße Durchsetzung sowie weiße Flecken oder weiße Büschel, ein vollständig gefärbter Kopf ist ein schwerer Fehler und farblose Krallen.

Die Abzeichen umfassen die Maske, die etwa bis zur Augenhöhe reicht, die gefärbten Ohren, die Läufe und die Blume. Die Übergänge zur Deckfarbe sollen fließen und nicht zu scharf abgegrenzt sein. Ebenso gehört die helle Stirn und die Backenpunkte zu den Abzeichen. Alle gefärbten Abzeichen gilt es rein in ihrer Farbe zu züchten, ohne Durchsetzung oder Melierungen. Sehr gut gefärbte Russensiam helfen diesen Melierungen entgegen zu wirken, besonders an den Vorderläufen. Ein ca. 8 cm breiter Rückenstreifen ziert den Rücken, der sich nicht scharf abgrenzen soll. Dieser Rückenstreifen ist wohl die größte züchterische Aufgabe. Wer sich bei der Zucht der Gelbsiamesen zwangsläufig mit der Vererbung beschäftigt, wird auch in der praktischen Zucht schnell merken, dass der Gelbfaktor es fast verhindert, dass der Rückenstreifen ausgeprägt in Erscheinung tritt. Bei den Marderfarbigen, ob braun oder blau, ist der  Streifen sehr ausgeprägt. Wenn der Rückenstreifen hinter den Schultern anfängt und bis fast zur Blume reicht, dann haben wir in der Zucht alles richtig gemacht. Wenn man das Fellhaar etwas zusammenschiebt, kann man den Rückenstreifen deutlicher erkennen. Schaut man die Siamesenfarbigen von hinten an, wird der Rückenstreifen ebenfalls sichtbar..

Überjähriger Zuchtrammler mit immer noch schönen Abzeichen

Die Unterfarbe, mit Einbeziehung der Blausiamesen, ist bei beiden Farbenschlägen an allen Körperteilen heller als die Deckfarbe. Hier gibt es so gut wie keine Probleme  in der Zucht. Angedeutete Zwischenfarben oder dunkle Unterfarben treten sehr selten auf.

Ein Stiefkind ist und bleibt wohl die blaue Variante der Siamesen. Schade eigentlich, da diese Farbe eine sehr schöne schieferblaue Färbung zeigt. Hier sollten sich vielleicht mal die Widderclubs angesprochen fühlen. Was bei den Hototfarbigen wächst, sollt auch hier möglich sein. Vielleicht wäre hier auch eine Interessengemeinschaft möglich?

Nur weil der Farbenschlag spalterbig ist, sollte man nicht der Meinung sein, dass eine große Zucht betrieben werden muss. Auch im Kleinen ist diese Zucht möglich. Rechtzeitiges Selektieren und ein gutes Auge auf des Wesentliche lassen auch eine kleine aber feine Zucht zu. Eine Position nach der anderen züchterisch bearbeiten und ab und zu Rat von erfahrenen Züchtern einholen, erleichtert vieles.

Häsin mit einem nicht ausgeprägtem Rückenstreifen, aber einer vorzüglichen Körperform

Melierter Ohrenrand, der nach der Haarung verschwindet

Sven Ladwig U100

Rassebeschreibung

Siehe ZDRK - Standard von 2004 und Europa - Standard 2012

Bericht und Bildmaterial von Sven Ladwig.

Wir danken Sven Ladwig sowie Wolfgang Jensen für ihre Mitarbeit.

Für Ergänzungen oder weitere Hinweise sind wir sehr dankbar

Das Copyright für diesen Bericht liegt bei dem Züchter Sven Ladwig bzw. der Arbeitgemeinschaft der Widderzüchter.

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