Ein Bericht von Henry Majaura.

Erbformel

Blaue ABCDg/ABCDg

Fachmännische Betrachtung

Blaue Widder ABCDg/ABCDg gehören wiederum zu den ursprünglichen gezüchteten Farbenschlägen, die bereits zur Wende in das 20. Jahrhundert bekannt waren. Lange Zeit hörte man nichts von der Farbe, bis im Laufe der 70er- Jahre des 20. Jahrhunderts, sicherlich auch gefördert durch Importtiere aus der Schweiz oder aus den Niederlanden, der Farbenschlag wie Phönix aus der Asche wieder entstand. 

Interessant ist, dass die anfangs, wieder gezeigten Tiere bereits im Rassentyp, in Kopf und Behang überzeugten. Auch farblich schien es recht wenig Mühe zu machen, die gewünschte Farbe der Blauen Wiener auf die Rasse zu übertragen. Selbstverständlich: vollständig erreicht wurde das Zuchtziel noch nicht. Dennoch heben sich die Blauen bereits wohlwollend von der ursprünglichen, helleren Farbe ab, wie wir sie z. B. teilweise von den Silberkaninchen, den klassischen Schecken oder auch Holländern kennen. Die Felle der Blauen können teilweise gefallen. Vielfach entsprechen sie jedoch denen der Schwarzen und sind dann oftmals etwas stumpf in der Farbwirkung. Mir ist jedoch bekannt, dass es auch hier Linien gibt, die durch ihre vollgriffige Behaarung absolut überzeugen.

Farblich weicht das Blau der Wiener, so wie wir es auch bei den deutschen Widdern wünschen, von der ursprünglichen blauen  Kaninchenfarbe ab. Die Deckfarbe  ist  deutlich  Dunkler.  In d er  damaligen  CSSR  wurde durch Finferland7 in den 80er-Jahren eine Erklärung des Phänomens dahingehend versucht, dass für die Verstärkung der blauen Farbe der Wiener ein sog. Blauverstärker (H), der über die normale hellblaue Farbe (h) dominiert, definiert wurde. 8 Die Definition wurde auch in die Bewertungsbestimmungen der sozialistischen Länder von 1980 übernommen. Weiterhin wurde die Vermutung ausgesprochen, dass dieser Faktor auch bei den Havanna und wildfarbigen Tieren wirkt. Nun haben unsere Kaninchen aber bestenfalls zwei unterschiedliche Pigmente, Schwarz oder Rotgelb. Und nur diese beiden können verstärkt oder abgeschwächt werden. Entsprechend ist es wohl so, Das auch die Gene der Schwarzverstärkerserie wirken. Das allerdings am verdünnten schwarze Pigment. So  haben  unsere  Blauen  Wiener,  wenn  wir  Hochstassers  Hypothesen  auf  diese  beziehen, z. B. die Farbenformel ABCDgE2(...3)/ABCdgE2(...3). Verpaarungen Blauer Wiener mit wildfarbigen9 (sogar japanerfarbigen) Kaninchen ergeben in der F1- dunklere graue Nachkommen, als wir es von "normal" wildfarbigen Tieren her gewöhnt sind, was die These anhand von Beobachtungen aus der Praxis untermauern dürfte. Sollte es also einmal erforderlich werden, zur Auffrischung diese seltenen Farbenschlages andersfarbige Tiere einzukreuzen, dann böte sich auch hier der wildgraue Farbenschlag an, der in diesem Falle aber ruhig etwas dunkler pigmentiert sein sollte. 

Den Faktor "H" könnten wir zu den Akten legen. Allerdings stellt sich hier rein formell die Frage, welche Terminologie denn die eigentlich gültig ist. Beide, sowohl Fingerland als auch Hochstrasser beschreiben das gleiche Phänomen; ersterer zwar nicht so vollständig und rezessiv-dominanten  Erbgang auch nicht ganz korrekt, aber immerhin war Fingerland der erste, der sich darüber den Kopf zerbrach und seine Ergebnisse niederschrieb. Entsprechend dürfte der Locus für die Schwarzabschwächung/Schwarzverstärkung ihm zu Ehren "H" heißen und die dazu gehörige Allenreihe... h3, h2, h1, H1, H2, H3...

Am Rande sei  noch vermerkt, dass es in zwischen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch reinerbige eisenblaugraue Deutsche Widder (ABeCdG/ABeCdG) gibt, die im Phänotyp blau erscheinen. jedenfalls konnte ich im letzten Jahr aus eigener Praxis entsprechende Schlüsse ziehen. Wer blaue deutsche Widder züchtet oder züchten will, sollte darauf achten und sich an der Zuchtanlage des Verkäufers direkt überzeugen oder frühzeitig z. B. mit grauen Tieren Testpaarungen durchführen, die Aufschluss über die Genetik neuer zugekaufter Tiere ergeben, bevor er inmitten der angebrochnen Zuchtsaison böse überrascht wird und dunkelblaugraue Jungtiere die Ställe bevölkern.

Historie des Widderkaninchen

Die Herkunft des Widderkaninchens ist umstritten.

Die ältere und die neuere Literatur über das französische Widderkaninchen sind sehr spärlich.

Rassebeschreibung

Siehe: ZDRK - Standard von 2004 und Europa - Standard 2012

Auszug aus "Der Kleintier-Züchter" Nr.2/2003 Bericht von Henry Majaura. Das Bildmaterial stellte die AG der Widderzüchter zur Verfügung.

Wir danken den Zuchtfreunden  Henry Majaura und Wolfgang Jensen für ihre Mitarbeit.

Für Ergänzungen oder weitere Hinweise sind wir sehr dankbar

Das Copyright für diesen Bericht liegt bei dem Züchter Henry Majaura bzw. der Arbeitsgemeinschaft der Widderzüchter.

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