Rasseherkunft

Bereits um das Jahr 1810 gab es Kaninchen mit langen, beiderseits am Körper herunterhängenden Ohren. Die Herkunft des Widderkaninchens ist umstritten. Sicherlich aber hat Deutschland die ersten Tiere dieser Rasse aus Frankreich eingeführt. Sie wurden anfangs als Patagonisches und Andalusisches Kaninchen bekannt. W.Coller, Brüssel, vertritt die Ansicht, dass das französische Widderkaninchen aus der Kreuzung von Englischen Widdern, Flandrischen Riesen und Normandinern hervorgegangen ist. Andere behaupten, und ihnen ist zuzustimmen, dass das Stammland der Widderkaninchen Frankreich ist. Die Engländer hätten diese Langohr, das eine der ältesten Rassen bildet, unter künstlicher Wärmeeinwirkung (Gewächshaus usw.) extrem weitergezüchtet und somit den Englischen Widder entwickelt.

Entwicklung

Die Hängeohrigkeit dieser Rasse ist ohne Zweifel auf ganz natürlichem Wege infolge der Domestikation entstanden. Auch andere Tierarten haben, nachdem sie Haustiere wurden, an Stelle der Stehohren ihrer wilden Vorfahren Händeohren bekommen (Hunde, Ziegen, Schafe, Schweine, selbst einzelne Pferde). Die Haustiere brauchen das gehör kaum noch zu Erhaltung ihres Lebens, während in der freien Wildbahn die Ohren oft zuerst vor Gefahr warnen. Durch Verminderung des Ohrenspiels verkümmert die Ohrmuskulatur bis zu einem gewissen Grade. Dadurch kippen die Ohren, die ursprünglich aufrecht getragen wurden, werden allmählich schwerer und hängen schließlich herab. Die Stellungsänderung wird dadurch erleichtert, dass das Ohr infolge guter Allgemeinernährung und wegen des Aufenthaltes der Tiere im warmen Ställen auch länger wächst, so das der Halteapparat am Ohr nicht mehr genügt. Wenn nun solche Kaninchen durch strenge Auslese reinerbig werden, ist das "Schlappohr" als Rassemerkmal erreicht. Man kann auch in der Riesenzucht diesen Vorgang beobachten: Manchem Jungtier fällt es schwer, seine Ohren, die in heißen Monaten besonders lang gewachsen sind, aufrecht zu tragen. So entsteht bei diesem und jenem Tier durch Übergewicht das Hängeohr, ohne das hier Blutanteile des Widderkaninchens vorhanden sind. Eines Tages sind aber die Ohrmuskeln solcher junger Riesen so kräftig, dass die Ohren wieder aufrecht gestellt werden.

Einfuhr

Die Zeit für die Widdereinfuhr damals war günstig, weil die deutschen Soldaten im Krieg von 1870-1971 nach Frankreich einmarschierten und in den Genuss von gutem Kaninchenfleisch gelangt waren. Als der Krieg dann zu Ende war, wieder ruhige Zustände herrschten, waren aus den ehemaligen Landsern Zivilisten geworden, die sich damals viel an der alten Schrebergartenherrlichkeit erfreuten. Diese Männer waren aufgeschlossen gegenüber der jetzt aufblühenden Kaninchenzucht.

Durch den Umtrieb Hochstetters kamen solche großen Widder im Oktober 1989 nach Deutschland, wobei Hochstetter selbst in Frankreich und Deutschland seine Helfer hatte, die ihm zur Seite standen. Er selbst fing erste ab 1870 die Zucht an. Die Widder wurde er gut los und schrieb eine Kleinschrift über die Kaninchenhaltung und Widderzucht im Besonderen, die im September 1872 unter dem Titel "Das Kaninchen, dessen Beschreibung, rationelle Behandlung und Züchtung" erschien. In 14 Monaten zog Hochstetter immerhin 254 Widderkaninchen in eigener Zucht nach.

Fachmännische Betrachtung

Das dieses Kaninchen eigentümliche Rassenmerkmal, das Hängeohr, steht mit dem Kopf-, bzw. mit der Ohrmuschelbildung im engsten Zusammenhang. Das Ohr sitzt zwar bei diesen Tieren gleichfalls auf ganz der nämlichen Stelle wie bei den Kaninchen mit Stehohren, aber die Ohrmuscheln sind bei ersteren am Grunde bedeutend erweitert und neigen sich schon von der Ansatzstelle an zur Seite. Die oftmals recht beträchtliche Länge der Löffel und die damit in Verbindung stehende Schwere sind sonach nicht imstande, ein Hängeohr im eigentlichen Sinne des Wortes hervorzubringen. dies vermag einzig und allein nur der vorhin bezeichnete Umstand. Den besten Beweis hierfür haben wir darin, Dass das Hängeohr bereits in der frühesten Jugend der betreffenden Schläge auftritt, also schon zu einer Zeit, wo weder Länge noch Schwere Schläge dasselbe zu beeinflussen imstande sind. Das hängende oder schleppend getragene Löffel einzelner Kaninchenrassen charakteristisch sind, beweißt der fernere Umstand, dass sich jene konstant vererben. Selbst bei Kreuzungszuchten solcher Kaninchen mit Stehohrigen Vettern tritt noch in späteren Generationen diese Charakteristikum auf. Zum Beweis hierfür führe ich den Lothringer Riesen an. Derselbe ist ein Produkt zwischen dem Gehegekaninchen und dem französischen Widder. Da aber die hieraus erhaltene Neuzüchtung in Bezug auf Größe und Schwere nicht allgemein ansprach, so wurde noch Blut des belgischen Riesen eingemischt. Obwohl also der Lothringer Riese in der Hauptsache Blut Stehohriger Kaninchen in seinen Adern rollen hat, macht sich das Hängeohr dennoch bei ihm bemerkbar. Unter jedem Wurfe gibt es Tiere, die entweder mit einem oder mit zwei hängenden Löffeln geboren werden. Diese Tatsache ist somit der klarste Beweis dafür, dass das Hängeohr in nichts anderem als dem organischen Bau begründet sein kann. Das enorme Wachstum desselben wird freilich durch entsprechende Stallwärme begünstigt und gefördert.

Bei uns in Deutschland sind augenblicklich nur zwei Kaninchenrassen bekannt, welche von Geburt aus mit Hängeohren ausgestattet sind. Es sind dies das französische und das englische Widderkaninchen. 

Feststellung

Nach wie vor bestimmen Deutsche Widder in Grau das Bild bei unseren Ausstellungen. Die graue Farbe kennen wir in verschiedenen Tönungen, die darüber hinaus allerlei Übergangsformen bilden und klare Abgrenzungen zueinander kaum zulassen. Solange in den Bewertungslinien die einzelnen Farbvarianten nicht eindeutig mit den Erbformeln ihrer Farbvererbung hinterlegt sind, werden wir diese Phänomen wohl auch nicht überwinden.

Ausgehend von der Färbung der Wildkaninchen, die als Ursprung der grauen Fellfarbe anzusehen sind, beginnen wir unsere Betrachtungen mit der Farbe Wildgrau. Diese ist die optimale Abpassung des Wildtieres an seine Umgebung und folglich treffen wir Wildkaninchen in ihren jeweiligen Populationen auch farblich einheitlich an. Lediglich von Gruppe zu Gruppe, von Population zu Population, werden eventuell kleinere Unterschiede erkennbar, die sich in einer mehr helleren oder dunkleren, einer mehr rötlichen oder mehr fahleren oder ggf. auch in einer leicht gesilberten Variation ausdrücken. Vollständige Farbabweichler allerdings werden wir dort nicht finden, wenigstens nicht im fortpflanzungsfähigen Alter.

Quelle:

Aus "Unsere Kaninchen" Ein ausführliches Handbuch für alle Züchter und Liebhaber von Kaninchen Herausgegeben von: P. Mahlich 2. Auflage: Erschienen 1909, "Rasse Kaninchen Zucht" von F.Karl Dorn 3. Auflage 1973 und Auszug aus "Deutscher Kleintier-Züchter" Nr.2/2001.Bericht von R. und Nr.2/2003 von Henry Majaura. Das Bildmaterial stellte die AG der Widderzüchter zur Verfügung.

Siehe auch: "Das Französische Widderkaninchen"

Für Ergänzungen oder weitere Hinweise sind wir sehr dankbar

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