Große Fußstapfen gut ausgefüllt

 

Unser heutiges Züchterporträt führt uns ins schöne Brandenburg. Auf der Reise zu unserer Zuchtfreundin Ruth Hänel aus Hohenbucko reist man durch die durch Flüsse und Seen geprägte Landschaft, die wie blaue Farbtupfer in der Natur erscheinen. Bei den Hähnels dreht sich bereits seit vier Generationen alles um die Rassekaninchenzucht.

Wie alles begann...

Im November 1959 kam Ruth Hänel im Erzgebirge zur Welt. Opa Karl zog zu der Zeit Angora, Mutter Maria Kleinchinchilla und Vater Gottfried Englische Schecken und Widderzwerge grau. Zu dieser Zeit tätowierte man auf S 100. Gottfried war ein Urgestein der Kaninchenzucht in der DDR und auch noch danach. Mit seinen Englischen Schecken und Widderzwergen grau (damals

hieß die Rasse noch so), war er landesweit bekannt und gewann mehrmals das Leipziger Band und Siegerbänder bei den Vergleichsschauen. Er war Mitbegründer der SGZ  (Spezialzuchtgemeinschaft - heute Clubs) der Schecken- und der Widderzüchter, ein anerkannter und erfahrener Preisrichter, ein Fanatiker der Vererbungslehre, leidenschaftlicher Zigarrenraucher und Zuchtkamerad. Aber auch ein Lehrmeister wie aus dem Bilderbuch. Norbert Bissa, der heutige Zuchtwart der Widder AG und Hans Reinhard Naumann, PR Obmann LV Sachsen, sind nur einige Beispiele seiner Nachwuchsarbeit. Leider verstarb diese Koryphäe viel zu früh im Jahre 2006.

Mit der Teilung Deutschlands wurde das Gebiet der DDR in 15 Bezirke aufgegliedert und der Schliebener Verein bekam das Täto C 37 für den Bezirk Cottbus zugewiesen.

Mit dem Schulanfang im Jahre 1965 startete Ruth ihre Züchterlaufbahn. Sie wollte in die Fußstapfen von ihrem Opa treten und Angora züchten, aber ihr Vater Gottfried meinte, dass diese Rasse noch zu schwer für Ruth sei. Also sorgte der Familienrat, insbesondere Mutter Maria dafür, dass Ruth Zwergwidder weiß Rotaugen bekam. Kluge Entscheidung, denn zwei Jahre später war Ruth schon Kreismeister. Bis 1979 räumte Ruth dann einige Titel mit dieser Rasse ab, bis sie dann schlussendlich zu grauen Zwergwiddern wechselte. Auch diesen Farbenschlag züchtete sie jahrzehntelang erfolgreich. Eine kleine Pause legte sie im Jahr 1982 ein, denn dort kam ihr Sohn René zur Welt.

Opa Karl Hänel (Bild li.) und Vater Gottfried Hänel mit der Amtsdirektorin errang 2005 seinen letzten Kreismeister. Im Jahr 2008 wurde Ruth Hänel mit ihren Kleinwiddern Kreismeisterin.

Liebe auf den ersten Blick

Ruth‘s Lieblingsrasse sind heute die Zwergwidder lohfarbig schwarz.

Als sie im Jahre 2005 die Farbenzwerge in diesem Farbenschlag sah, war es Liebe auf den ersten Blick. „Solche, als Zwergwidder und ich fange sofort damit an“, sagte sie zur damaligen Zeit. Aber dieses Zuchtvorhaben sollte noch bis 2009 dauern. In Karlsruhe wurde viel gefachsimpelt und begutachtet, denn die Rasse steckte ja noch in den Kinderschuhen.

. Und so ist sie seitIm Frühjahr 2010 kam Zuchtfreund Jörg Schmiedchen mit 2 tragenden Häsinnen nach Hohenbucko. „Die wolltest du doch, ich habe sie extra aus Bayern mitgebracht“, sagte er und hinterließ eine sprachlose Ruthdem dieser Rasse verfallen und arbeitet stetig an der Verbesserung und Verbreitung ihrer lohfarbig schwarzen Zwergwidder. Wenn man 30 Jahre mit dem Vater bewerten fährt, weiß man wie die Ideale auszusehen haben. Rassemeister 2013 und Vizerassemeister 2015 zeigen, dass Ruth ihr Handwerk versteht.

Stallanlage und Zuchtphilosophie

Etliche Sieger kamen aus der Hähnelschen Stallanlage. Diese umfasst heute noch 50 Ställe und einige Laufställe, die je nach Bedarf in der Scheune aufgestellt werden können.

Das Grundmaß der Einzelbuchten beträgt 80 x 60 cm und das der Zuchtställe 1,3 m x 1,0 m. „Dieses ist wichtig für die körperliche Entwicklung“, erklärt Ruth, denn sie legt viel Wert auf runde Hinterpartien und das schafft man nur mit guter Bemuskelung. Zur Zucht werden nur Tiere eingesetzt, die in Position 2 optimale Vorraussetzungen haben. Ihr Zuchttierbestand besteht aus zwei Rammlern und 4-6 Häsinnen. Dazu hat sie immer einen Reserverammler sitzen. Bei den Englischen Schecken ist die Zucht etwas kleiner, schließlich feierte Mutter Maria im September 2018 ihren 80. Geburtstag.

Grundsätzlich werden die Zuchtrammler selbst gezogen. „Mit einem fremden, unbekannten Rammler kann man viel kaputtmachen“, erklärt Ruth und beruft sich auf ihren Vater, denn dies ist eine Weisheit, die vom Vater auf die Tochter vererbt wurde. Und noch ein Lehrspruch hat Ruth immer von ihrem Vater in ihren Ohren, der lautet: „Nimm lieber eine Häsin aus der zweiten Reihe - Toptiere ohne Brustfell verkaufe lieber, die leisten in der Aufzucht nichts.“ In den 30 Jahren, nämlich seit 1988, seitdem ich die Hähnels kenne, kann ich Gottfrieds Weisheiten nur bestätigen.

Die Fütterung

Fütterungstechnisch hat Ruth alles von der Pike auf gelernt. So ist sie heute noch beruflich staatliche Angestellte beim Landesamt für ländliche Entwicklung, speziell im Bereich Milchwirtschaft, tätig. Jeder Bauer weiß, dass die Kuh durch das Maul gemolken wird und so hält es Ruth auch bei den Kaninchen.

Frisches Grün vom eigenen 2000 m² großem Grundstück, dazu ein wenig Pellets und Pferdemüsli, besonders noch die eigene Getreidemischung aus Gerste und Hafer, dazu etwas Weizen und Sonnenblumenkerne sorgen für abwechslungsreiche Kost.

Heu und Stroh ist immer zur genüge in der Scheune. Die Verluste in der Aufzucht sind fast 0.

Großes Engagement für das Hobby

Ruth hat das Kaninchengen geerbt und so ist es nicht verwunderlich, dass sich Ehrungen und Ehrenämter häufen. Ruth macht alles mit einer Leidenschaft und Ruhe, die wirklich selten ist. So ist sie seit 1992 Mitglied im Widderclub Berlin-Brandenburg, stellvertretende Vorsitzende seit 1990, Vorsitzende seit 2005, Clubvorsitzende des Widderclubs seit 2009 und Landesverbandsclubobfrau seit 2012. Und als Vorsitzende der Widder AG war sie auch im Gespräch, zog aber aus persönlichen Gründen zurück. Hut ab vor soviel Engagement.

In der heutigen Zeit tätowiert der Schliebener Verein auf das Täto D 544 und hat unter Ruth´s Führung 21 Mitglieder, die erfolgreich züchten und ausstellen.

Das Miteinander liegt ihr am Herzen

Und auch Enkeltochter Charlotte macht Oma Ruth stolz, denn auch sie hat das „Kaninchengen“ erhalten. Leider ist der Papa Rene oft beruflich unterwegs, sodass noch keine eigene Stallanlage für sie angeschafft wurde, aber dafür sitzen bei Oma schon ein paar Lieblinge mit Namen.

Aber Ruth ist nicht nur Funktionärin und Züchterin, sondern auch Freundin, Kummertante und Kameradin, der das Miteinander besonders am Herzen liegt. So wird die Scheune als Ausstellungshalle, Versammlungsort und Käfiglager genutzt. Ein Höhenpunkt war, als der D544 den Aufbau und Bereitstellung für die Fernsehshow „Alt gegen Groß“ mit der Kaninchenwette übernahm. 

Mach weiter so....

Auf jeder Clubschau der Widder AG ist Ruth mittendrin, ihre Clubkollegen aus Berlin ebenfalls - Spreewaldgurken genau so, wie die kesse Sohle. Und so sind Freundschaften entstanden, die schon Jahrzehnte gepflegt werden. Ob nach Mecklenburg-Vorpommern zu den Zuchtfreunden Adams oder nach Sachsen zu Hansi Naumann. Auch Albrecht Tröster aus Sachsen Anhalt, mit dem Ruth Bewertungslisten bei den AG Schauen seit 2001 schreibt, möchte sie nicht missen, denn unsere Ruth tut uns allen gut

Auf den Clubvergleichsschauen der Widder -AG ist Ruth immer für viel Spaß zu haben

Wir bedanken uns bei Kleintiernews und Thomas Lenz die uns den Bericht samt Bilder zur Verfügung gestellt haben.

Kleintiernews

Thomas Lenz

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