Ratgeber zur Haltung, Zucht und Pflege von Angorakaninchen im Kleinformat

Weitere Infos zu der Rasse (und bald auch ein Schurvideo) findet man auf www.zwergwidder-angora.de

Nachdem auf der Europaschau in Leipzig 2012 einige Zwergwidder-Angora ausgestellt wurden, entwickelte sich die Rasse zu einem Zuschauermagnet. Schnell wuchs in Deutschland der Wunsch, eine solche Rasse auch im ZDRK zu züchten.

Im Laufe des Jahres 2013 fanden sich zahlreiche Züchter aus dem gesamten Bundesgebiet, die über ihre zuständigen Landesverbände Anträge an die ZDRK-Standardkommission stellten, diese Rasse zur Neuzucht zuzulassen. Auf der Sitzung der Standardkommission am 13.12.2013 wurde dieses Neuzüchtungsverfahren genehmigt. Mit dieser neuen Rasse sind einige Hoffnungen, aber auch Sorgen verbunden. Zum Einen bietet diese Rasse die Möglichkeit, die sinkenden Zahlen von Züchtern langhaariger Rassen wieder zu erhöhen. Auf der anderen Seite der Medaille ist dafür Sorge zu tragen, dass diese pflegeintensive Rasse nur in fachkundige Hände gehört.

Mit diesem Ratgeber möchten wir versuchen, die wichtigsten Hinweise zur Haltung, Pflege und Zucht dieser Rasse zusammenzutragen. Trotzdem empfehlen wir jedem, der sich mit der Zucht dieser Rasse beschäftigten möchte, weitere Ratschläge und auch Betreuung vor Ort von einem langjährigen Angorazüchter zu suchen. Bereits jetzt bestehen viele Kontakte zwischen den Züchtern beider Rassen und wir möchten an dieser Stelle einmal den Angorazüchtern danken, die so aufgeschlossen unsere Neuzucht unterstützen.

Ställe

Wie wohl bei jeder Kaninchenrasse, kann kein Stall zu groß sein. Laut der Richtlinie für die Haltung und Zucht von Rassekaninchen im ZDRK sind folgende Maße als Mindestmaße anzusehen.

Stallfläche 65x70 cm, Höhe 50 cm.

Durch die Langhaarigkeit unserer Tiere ist es geboten, die Tiere in größeren Ställen zu halten. Empfehlenswert ist eine erhöhte Ebene, da die Tiere dieser Rasse sehr lebhaft sind und dadurch ihrem Bewegungsdrang mehr Möglichkeiten gegeben werden. Der Untergrund des Stalles kann sowohl aus Rosten als auch aus Stroh sein. Bei der Verwendung von Rosten ist den Kunststoffrosten mit breiten Auflageflächen dem Vorzug zu geben. Sie sind leicht zu reinigen und nehmen nicht wie Holzrosten Feuchtigkeit auf. Eine Kombination beider Untergründe ermöglicht den Tieren selber zu entscheiden, was ihnen mehr behagt.

Fütterung

Wie jedes andere Kaninchen sollten die Zwergwidder-Angora jederzeit freien Zugang zu Heu und Wasser haben. Durch das permanente Wollwachstum dieser Tiere haben sie einen anderen Energiebedarf als herkömmliche Kaninchen. Zahlreiche namhafte Futterhersteller bieten deshalb für Angorakaninchen ein spezielles Futter an; es beinhaltet erhöhte Gehalte an Aminosäuren und Energie gegenüber herkömmlichen Futter. Es empfiehlt sich die Zwergwidder-Angora mit einem solchen Futter zu versorgen. Manche Züchter "verfeinern" dieses Futter: Hierfür kann man Strukturfutter, Sonnenblumenkerne und Johannesbrot zur Verfeinerung und Anreicherung verwenden. In den ersten Wochen der Jungtieraufzucht sollte man noch kein energiereiches Angorafutter verwenden, sondern lieber wie bei allen anderen Rassekaninchenjungtieren ein Futter mit wenig Energie und sehr vielen Ballaststoffen reichen.

Pflege

Der Punkt Pflege ist bei den Zwergwidder-Angora der wohl wichtigste Punkt.

Das Werkzeug für die tägliche Fellpflege Zum Ende der Schur, sollte das Tier noch einmal gründlich gebürstet werden.

Die Tiere müssen regelmäßig gebürstet und evtl. auch gekämmt werden! Jedes Tier sollte bis zu  zweimal die Woche entsprechend gepflegt werden. An erster Stelle ist hier eine handelsübliche Bürste das Werkzeug der Wahl. Kleinere Verfilzungen können damit beseitigt werden. Sollten etwas größere Verfilzungen beim Bürsten entdeckt werden, können mit einem grobzinkigen Kamm diese Verfilzungen sanft entwirrt werden. Falls es trotz regelmäßiger Pflege einmal zu stärkeren Verfilzungen kommen sollte, können diese vorsichtig mit einer Friseurschere herausgeschnitten werden. Alles sollte in Ruhe und mit größter Sorgfalt gemacht werden, denn unser Zwergwidder-Angora soll sich auch bei der Fellpflege wohlfühlen und keinen Stress empfinden. Das Wohl unserer Kaninchen steht immer an erster Stelle.  

Verfilzungen bilden sich besonders gerne im Blumenbereich, hinter den Ohren und am Hals. Bitte auf keinen Fall vergessen, die Tiere auch unter dem Bauch sowie auf und unter den Läufen zu bürsten und evtl. zu kämmen.

Schur

Das Zwergwidder-Angora-Kaninchen muss in  regelmäßigen Interwallen geschoren werden.

Auch wenn uns holländische Zuchtfreunde berichtet haben, dass dort die Zwergwidder-Angora  in größeren Abständen geschoren werden, empfehlen wir die Schurinterwalle, die man von den Angorakaninchen kennt, auch bei den ZwWA anzuwenden.  Dies bedeutet, dass die Tiere mit einem Abstand von 84 Tagen geschoren werden müssen.  Wer einmal ein Tier länger in der Wolle gelassen hat, wird feststellen, dass die Vitalität der Tiere massiv nachlässt. Sie werden apathisch, fressen schlecht und magern ab, oft kommt es auch zu Verdauungsstörungen. Eine "schnelle Schur" wirkt da Wunder und innerhalb kurzer Zeit sind die Tiere wieder in der alten Verfassung.

Aus Liebe zum Tier sollte man es nicht soweit kommen lassen!!!

Zur Schur kann man eine entsprechende Friseurschere verwenden.  Wer möchte, kann sich jedoch auch eine spezielle Schermaschine für Angorakaninchen anschaffen. Günstige Maschinen  für die Schur von Hunden sind kaum für Angorawolle geeignet, da die Wolle zu fein ist und sich in diesen Scherköpfen verhaken würde.

Bei der Schur sind verschiedene Dinge zu beachten:

Passende Scherköpfe für den richtigen Einsatzbereich. Gröberer Scheerkopf für den Rückenbereich. Das feinere Scheerblatt für Bauch und Flanken. "Problemstellen" werden mit der Schere geschnitten. Ohren, Blume oder Zehen können mit einer Hand geschützt werden, sodass nicht das Tier nicht verletzt wird.
Bei der Schur, sollte man mir viel Ruhe an das Tier gehen!

Von der Rückenlinie arbeitet man sich langsam zu den Flanken vor. In diesem Fall haben wir nicht sehr kurz geschoren, um das die wohl winterliche Temperaturen zu schützen.

Die Spürhaare dürfen nicht abgeschoren werden.

Unter dem Bauch sollte man nicht zu dicht am Haarboden scheren, damit man nicht die Zitzen der Häsinnen verletzt. Bei den Rammlern sollte besonders auf die Hodentaschen geachtet werden.

Bei Widdern sollte man natürlich auch besonders auf die Ohren achten, damit es bei der Schur nicht zu Verletzungen kommt.

Man muss auch darauf achten, die Blume bei der Schur nicht zu verletzen (hier empfiehlt sich immer die Schere zu benutzen).

Die Tiere müssen auch auf und unter den Läufen geschoren werden.

Bei kaltem Wetter und besonders im Winter sollte man die Tiere nicht bis auf den Haarboden scheren, um eine Unterkühlung der Tiere zu vermeiden, es empfiehlt sich ca. 2cm Haar stehen zu lassen. In diesem Fall muss die folgende Schur nach ca. 60 Tagen folgen.

Bei heißem Wetter sollte man auf keinen Fall die normalen Interwalle einhalten. Lieber die Tiere wesentlich öfter scheren um Hitzestauungen vorzubeugen.

"Sonderschurtermine"

Die erste Schur der ZwWA sollte bereits nach 8-9 Wochen stattfinden. Hier muss die Jungtierwolle entfernt werden. Sollte man zu lange warten, kommt es oft zu Verdauungsstörungen! Für die erste Schur sollte man sich besonders viel Zeit und Ruhe nehmen, damit die Jungtiere die Schur als eine angenehme Angelegenheit kennenlernen.

Zuchttiere sollten zum Deckzeitpunkt geschoren werden. Zum einen lassen sich die Häsinnen dann besser decken, zum anderen haben die Häsinnen die geeignete Wolllänge zum Wurftermin. Wie jede andere Häsin rupft sich auch die Zwergwidder-Angorahäsin für die Auspolsterung des Nestes sehr viel Wolle aus. Ist die Wolle zu lang, verfilzen die Jungtiere bereits nach zwei bis drei Tagen die zu lange Wolle und diese Schnüre sind eine große Gefahr für die Jungtiere, da sie sich  verheddern können.

Der ideale Zeitpunkt zur Bewertung ist 84 Tage nach der Schur… Fazit die Tiere sollten 84 Tage vor der Ausstellung geschoren werden!

Zucht

Niederländische Althäsin mit gut 4 Wochen alten Jungtieren. In diesem Alter beginnt das Langhaarwachstum.

F3 7 Wochen alt. 0,3. mit schon 6 cm Wolllänge. 2 typische ZwWA weiß BlA dabei.

Die Zwergwidder-Angora  sind eine sehr vermehrungsfreudige Rasse, Wurfstärken von 4-6 Jungtieren sind als normal anzusehen. Sie verfügen über eine gute Milchleistung und  haben ein vorbildliches Aufzuchtverhalten. Sie wachsen sehr schnell und  werden auch sehr früh geschlechtsreif. Wie schon beschrieben, sollte man bereits zum Deckakt die Häsin geschoren haben und den Jungtieren nicht zu energiereiches Futter reichen. Es ist ratsam nach spätestens 8 Wochen die Jungtiere einzeln zu setzen. Früh "berammeln" sich sonst die Jungtiere, was zu Verfilzungen führen kann. So wäre die "Jungtierschur" der späteste Zeitpunkt, zu dem man die Jungtiere einzeln setzen sollte!

Genetik und Zuchtziele

Jungrammler, aus einer Verpaarung eines niederländischen Rammlers und eine "F1"-Häsin (ZwwAxZww)  zeigt einen weniger langbehaarten Kopf. Man kann vermuten, dass dieses Tier vvMm trägt.

F2-Junghäsin mit normalbehaarter Stirn. Man kann davon ausgehen dass dieses Tier vvmm trägt und als Zuchtziel anzusehen ist.

Erbformel

A- - - - xv A- - - - xv

Als die ersten Nachzuchten in Deutschland entstanden, wurden auch Zwergwidder eingekreuzt. Nachdem bereits in der ersten Generation langhaarige Jungtiere die Nester verließen, stand man vor einem Rätsel, da das Angoragen v rezessiv vererbt wird. Erst wenn beide Elterntiere das Angoragen tragen, können langhaarige Jungtiere entstehen. Erst weitere Generationen lassen uns zu der Vermutung kommen, dass die Tiere der ausländischen Zuchten neben dem Angoragen auch noch das dominante  "Mähnengen" M tragen. M-Tiere sind anfangs ebenfalls langhaarig und verlieren nach einigen Wochen die langen Haare auf dem Rücken. Bereits nach 3-4 Tagen kann man bei M-Tieren einen Keil auf den Rücken der Jungen deutlich erkennen. Tiere mit MM tragen später eine imposante Mähnen und Flankenbehaarung. Tiere mit Mm haben später nur eine kleine Flankenbehaarung und eine spärliche Mähne. Bei den Tieren, die ebenfalls vv tragen und damit über ein permanentes Wollwachstum verfügen, wird M am Kopf und Ohren deutlich. Diese Tiere haben länger behaarte Ohren und auch lange Haare auf der Stirn. Es muss unser Zuchtziel sein, auf Tiere mit vvmm zu selektieren. Bis dieser Zuchtstand erreicht ist, sollte man regelmäßig die Haare der Tiere um die Augen herum freischneiden, damit die Tiere nicht in der Sicht eingegrenzt werden.

Nachzuchthäsin von niederländischen Eltern. Die recht langen Haare am Kopf lassen darauf schließen, dass die Häsin vvMM trägt. Man sollte die Haare am Kopf öfter einmal schneiden, um die Sicht der Tiere nicht einzuschränken.

Ein weiteres Zuchtziel, was wir an erster Stelle mit im Auge behalten sollten, ist das Gewicht. Da die Tiere im Ausland auch mit größerem Gewichtsrahmen erlaubt sind, wiegen die Ausgangstiere teilweise über 2 kg. Es sollte bei der Auswahl der Zuchttiere entsprechend kleineren Tieren der Vorzug gegeben werden. Die weiteren Positionen der Musterbeschreibungen machen bei dem jetzigen Zuchtstand nur geringere Probleme und sollten sekundär angegangen werden.

Schlusswort

Wir hoffen mit dieser Erklärung alle wichtigen Punkte bei der Haltung, Zucht und Pflege von Zwergwidder-Angora abgedeckt zu haben. Gerne nehmen wir weiterführende Ratschläge und Erfahrungen auf und freuen uns über entsprechende Kontaktaufnahmen. Gerne stehen wir auch für weitere Fragen zur Verfügung

Bei den ZwWA haben wir es mit einer Rasse "einfach nur zum Liebhaben" zu tun. Vor der Anschaffung dieser Tiere sollte man sich aber selber einmal fragen, ob man die Anforderungen für die Haltung der Tiere auch erfüllen kann.

Sollte man die Antwort auf diese Frage für sich verneinen müssen oder Zweifel haben, sollte man aus Sicht des Tierschutzes und zum Wohle der ZwWA es lieber sein lassen.

Rassebeschreibung

Siehe Musterbeschreibung

Bericht von Kai Sander. Das Bildmaterial stellte uns freundlicherweise Kai Sander  und Kerstin Rump zur Verfügung.

Wir danken Kai Sander, Kerstin Rump sowie Wolfgang Jensen für ihre Mitarbeit.

Das Copyright für diesen Bericht liegt bei den Züchtern Kai Sander und Kerstin Rump bzw. der Arbeitgemeinschaft der Widderzüchter.

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