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Von Walter Reimers – Hamburg.

Hormone

Das Wort Hormon kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Anreger". Haben wir uns bis jetzt über vieles unserer Kaninchen unterhalten, so müssen wir uns auch einmal den Hormonen widmen. Jene geheimnisvollen Wirkstoffe, die trotz der kleinsten Mengen, in denen sie vom Körper produziert werden, stärkste und auf das Leben ausschlaggebende Wirkungen zu erzielen vermögen, indem sie sich einmal in ihrer Tätigkeit unterstützen und dann wieder gegenseitig aufheben.

Viele Drüsen des menschlichen, wie auch des tierischen Körpers entleeren ihre Erzeugnisse oder Sekrete nach außen (Schweiß, Talg, Milch). Andere aber entleeren ihre Sekrete in das Blut bzw. in die Lymphe. Sie entleeren sich also innerlich. Deshalb nennt man diese Drüsen auch, Drüsen der inneren Sekretion oder innersekretorische Drüsen.

Durch das Blut, wie auch durch die Lymphe wird das Hormon (organischer Wirkstoff) an den Ort seiner Wirkung gebracht. Wenngleich sie aber in kaum vorstellbar geringer Menge Produziert werden, dürfen sie auf keinem Fall fehlen, um Krankheit, Missbildung und Tot vorzubeugen.

Die Thymusdrüse ist im ersten Entwicklungsstadium des Menschen und der höherer Tiere die Bildungsstätte des Blutes, bis später das Knochenmark diese Aufgabe übernimmt. Vor allem spielt ihr Hormon im Wachstum der Jungtiere eine wichtige Rolle. Ihrer Aufgabe entsprechend ist sie im Jugendstadium auch besonders groß, dagegen die Keimdrüsen (Hoden oder Eierstöcke) in dieser Zeit unentwickelt und untätig. Im fortgeschrittenen Alter bildet sich die Thymusdrüse zurück, die Keimdrüsen entwickeln sich schnell, dass Tier ist geschlechtsreif.

Die Zirbeldrüse führt ihren Namen wegen der Ähnlichkeit mit einem Tannenzapfen. Ihr Hormon ist ebenfalls wachstumsfördernd und hemmt die Ausbildung der Keimdrüsen. Somit sind Thymus und Zirbeldrüse parallel geschaltet und unterstützen sich; zur Keimdrüse stehen sie in Wechselwirkung; denn sobald die Keimdrüsen voll entwickelt sind, bilden sich Thymus und Zirbel zurück und stellen ihre Tätigkeit ein.

Die Hypophyse oder der Hirnanhang hängt an der Unterseite des Gehirns. Dass auch sie mit dem Wachstum in Verbindung steht, geht aus vielen Versuchen hervor. So können sich Kaulquappen nicht zu Fröschen entwickeln, sobald man ihnen den Vorderlappen der Hypophyse nimmt. Entfernt man die Hypophyse oder erkrankt sie, so hört das Wachstum auf und das Tier bleibt ein Zwerg. Wissenschaftler vertreten die Meinung, dass eine Mutation der Hypophyse für das Auftreten der Größen (zum einen der Deutsche Riese zum anderen das Hermelinkaninchen) durch die Produktion von Wachstumshormonen verantwortlich sind.

Somit steht auch das Sekret der Hypophyse, das Hypophysin, in Verbindung zum Wachstum. Es regt aber auch beim Wurfakt die Wehen an.

Nach dem englischen Biologen Hammond ist die Anzahl der reifen Eier und somit auch zum Teil für die Anzahl der Jungen und somit die Fruchtbarkeit der Häsin von der Hypophyse abhängig. Das Hormon ist auch im Blut der Jungtiere im frühesten Entwicklungsstadium nachweisbar. Es wird aber später in der Wachstumsperiode aber wieder zurückgebildet. Nach Hammond wird das Hypophysenhormon bei den einzelnen Rassen und in den einzelnen Stämmen verschieden stark ausgebildet, die Fähigkeit hierzu ist erblich.

Die Keimdrüsen  (Hoden und Eierstöcke) erzeugen Samenfäden und Eier. Sie gewährleisten somit die Fortpflanzung. Das Keimdrüsenhormon bedingt die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale der Tiere. Beim Wildtier erfolgt das Funktionstüchtigwerden der Geschlechtsdrüsen vor dem Abschluss des Wachstums.

Bei unseren Kulturrassen kann die Geschlechtsreife schon vorher eintreten. Sobald sich die Keimdrüsen voll entwickelt haben und ihre Tätigkeit aufnehmen, bilden sich Thymus, Zirbel und Hypophyse zurück, dass Wachstum hört mehr und mehr auf.

Die Nebennieren sitzen den Nieren auf, besonders sie produzieren die lebenswichtigsten Hormone. In ihrer Rinde wird ein Hormon produziert, das den Mineral- und Wasserhaushalt reguliert. Auch produziert es ein Hormon, das die Geschlechtsfunktionen beeinflusst und auch den Fettansatz verstärkt. Auch das Kortisol, welches den Kohlehydratstoffwechsel beeinflusst, wird hier produziert.

Auch das Adrenalin wird in den Nebennieren, genauer im Nebennierenmark produziert. Sie erhöhen den Blutzuckerspiegel, sind somit Gegenspieler des Insulin, und wirken Gefäßverengend.

Das Schilddrüsenhormon (Thyroxin) reguliert den Gesamtstoffwechsel des Körpers. Es beeinflusst das Wachstum, die Geschlechtsorgane, das Knochenwachstum, die Haut die Milchbildung, die Woll-, Feder- und Legeleistung.

Bei einem Mangel wird die Leistung gemindert, bei einem mehr an diesem Hormon wird die Leistung erhöht, aber nicht bis ins unendliche, sondern nur bis zu einer gewissen Obergrenze.

Das Insulin oder das Hormon der Bauchspeicheldrüse, senkt den Blutzuckerspiegel, indem es in der Leber den Abbau des Glykogens zu Glukose hemmt und deren Verwertung in den Körperzellen steigert. Ein Insulinmangel überschwemmt das Blut mit Zucker, so dass dieser ungenutzt mit dem Harn ausgeschieden wird. Das Tier verhungert. Man nennt dieses beim Menschen Zuckerkrankheit oder Diabetes mellitus.

Die Geschlechtshormone steuern die Entwicklung und die Funktion der Geschlechtsorgane.

Das weibliche Geschlechtshormon (Östrogen, Gestagen) wird am Eierstock (Follikel und Gelbkörper) produziert.

Das männliche Geschlechtshormon (Testosteron) wird in den Hoden gebildet.

Beide Hormone steuern die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale (Körperform, Behaarung). Während das weibliche Tier zu stärkerem Fettansatz neigt, neigt das männliche zu einem anderen Größenrahmen und zu einer stärkeren Bemuskelung. Somit verfügt das männliche Tier über einen größeren Eiweißansatz.

Wird das männliche Tier bereits im Jungtierstadium kastriert, und somit die Produktion des Keimdrüsenhormons unterbunden, wird das Tier wesentliche Veränderungen erfahren. Das Tier wird früher Fett ansetzen, im Körperbau feiner sein, es wird ruhiger sein.

Wird das männliche Tier hingegen erst als Alttier kastriert, so wird es kaum zu äußerlichen Veränderungen kommen. Der Fettansatz wird nur im erheblichen Rahmen zunehmen.

Wenn die Hormone nun solche Wunder vollbringen können, nun dann sollten wir unseren Tieren durch hormonhaltiges Futter servieren. Wir wären somit alle Sorgen ledig was Gewicht, Größe und Fellbeschaffenheit angeht.

In der Bundesrepublik Deutschland ist das Verfüttern von Hormonen grundsätzlich und strengstens verboten.

Begründen möchte ich dieses nur mit einem Witz von Otto Waalkes:

Der Schniedel schrumpft,

der Busen schwillt

und schon ist er Mamis Ebenbild.

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