Ein Erfahrungsbericht von Stefan Simon

Ich habe mich entschlossen die  Art der Versorgung meiner Tiere einmal zu Papier zu bringen. Meine Ausführungen haben weder wissenschaftlich fundierten Hintergrund, noch den Anspruch auf Vollständigkeit. Sie basieren lediglich auf Erfahrungswerte aus den letzten 15 Jahren Rassekaninchenzucht.

Ich werde meine Ausführungen so gestalten, wie das normale Zuchtjahr abläuft.

Beginnen möchte ich daher mit der Auswahl der Zuchttiere, Verpaarung und Wurf.

Bei der Auswahl der Zuchttiere tue ich dass, was wohl jeder Züchter auch tut, ich achte in erster Linie darauf, dass die beiden Elterntiere nicht die gleichen Fehler aufweisen.

Ich züchte seit Jahren in einer geschlossen Zucht, d. h., ich betreibe mäßige bis strenge Inzucht. Bei der Linienzucht steht das Vatertier als Ausgangstier bereit und es werden weiblich Nachkommen immer wieder an dieses Ausgangstier zurück gepaart.

Bei der Familienzucht steht das Muttertier als Ausgangstier bereit und es werden immer wieder Söhne an die Mutter gepaart. Wenn ich ein neues Tier einsetze, dann gehe ich folgenden Weg. Kreuzung, Linienzucht oder Familienzucht danach Inzucht. Bei der Inzucht heißt das, dass ich dann die F2 Generation untereinander verpaare.

Bei der Auswahl der Zuchttiere stehen natürlich auch andere Kriterien zur Wahl. z.B. Anzahl der Zitzen bei der Häsin, wie war das Tier aufgewachsen, war es krank, wie ist sein Charakter, hat es besondere Vorzüge und natürlich in welchen Bereichen könnte es meine Zucht verbessern. Aber natürlich auch, wie hat es in der letzten Schausaison abgeschnitten. Ich benutze das Klassifizierungssystem (Erbformel) von unserem Zuchtfreund Theodor Ulps, so kann ich schon an den Stallkarten gewisse Verwandtschaftsgrade der Tiere erkennen.

Sind die Zuchttiere ausgewählt, werden sie zur Zuchtkondition vorbereitet. Alle Zuchttiere werden vor dem Belegen einmal gegen Würmer gekurt. Mache ich seit ca. 5 Jahren und es tut vor allem den Häsinnen gut. Sie verlieren nicht so viel Masse bei der Säugung. Ich benutze dafür Panacur oder Congurat, ein Medikament in Pulverform, welches man problemlos über die Tränke reichen kann und bei jedem Tierarzt bekommt. Zur Fütterung kommt in dieser Zeit (Januar bis März) wenig pelletiertes Futter, reichlich Karotten, Wirsing und Heu. Das vitaminreiche Futter soll die Häsinnen etwas entfetten und trotzdem zur Hitze bringen. Sollten die Häsinnen nicht hitzig werden, das liegt an den geringen Lichtstunden in dieser Jahreszeit (Hormone) könnte man den Stall beleuchten, wie es die Hühnerzüchter tun. Ich gebe dann von der Firma Ovator das Produkt Zuchtfit mit unter das Futter und siehe da, das Zeug hilft meinen Mädels bis dato sehr gut. Ein befreundeter Züchter nennt es deshalb auch Viagra für Karnickel.

Beim Deckakt bringe ich immer die Häsin zum Rammler. Ich lasse eine Häsin gern mehrmals hintereinander Decken.

Dabei habe ich festgestellt, dass wenn der Deckakt 1 und 2 mehrere Stunden auseinander liegen (ca. 6-8) ich immer mehr Rammler im Nest liegen habe.

Erklärungsversuch:

Weiblich Samenzellen sind schneller aber nicht so langlebig. Männliche Samenzellen sind langsamer aber langlebiger. Sollten beim Deckakt die Eier der Häsin nicht 100%ig „reif“ sein, so können die weiblichen Samenzellen nicht in das Ei eindringen. 6-8 Stunden später, wenn dann die männlichen Samenzellen noch leben, können diese die Eizelle befruchten. Dies ist allerdings nur ein Erklärungsversuch für dieses Phänomen. Gedeckte Häsinnen werden erst mal nicht anderes gefüttert als nicht gedeckte Tiere. Es ist nämlich so, sollte der Deckakt erfolglos gewesen sein und die Häsin hat 10-12 Tage doppelte Portion gefressen, wird ein Nachdecken wahrscheinlich schwierig werden. Nach 10-12 Tagen kann ich die Häsin abtasten, ob der Deckakt erfolgreich war. Günstigster Decktag ist  Mittwoch, da dann die Jungtiere am Wochenende geboren werden und wir Züchter in der Regel mehr Zeit haben um mehrmals täglich am Stall zu schauen, ob die Häsin geworfen hat. Meine Häsinnen werfen alle in Wurfkisten mit den Maßen 30x 25x 25 (Zwergwidder). Die Stirnseite ist  nur 20 cm hoch. Der Boden ist mit Löchern versehen, damit die Kiste trocken bleibt. Auf den Boden streue ich ca. 5 cm hoch Sägespäne und darüber forme ich aus klein geschnittenem Stroh schon so was ähnliches wie ein Nest, eher eine Kuhle. Die Wurfkiste kommt in eine Ecke im Stall. Meistens wähle ich die dunklere Ecke aus. Sollte die Häsin die Wurfkiste als Toilette benutzen, steht sie in der falschen Ecke. Also raus damit, frisch machen und die andere Ecke im Stall ausprobieren. Die Wurfkiste stelle ich meist so etwa 10 Tage vor dem Wurftag in den Stall, den ich zuvor noch einmal gründlich säubere. Auch hier gebe ich noch zusätzlich kleingeschnittenes Stroh in den Stall.

An dieser Stelle ein kleiner Einwurf was das Ausmisten angeht. Ich miste meine Buchten meist 14-tägig aus. Ich habe Betonbuchten der Firma Weis mit den Maßen 70x80 cm. Bei Bedarf natürlich häufiger.

Mir geht es jetzt aber um etwas anderes. Meine Tiere bekommen täglich Heu in ausreichender Portion in Raufen. Auch an dem Tag, an dem ausgemistet wird, bekommen meine Tiere Heu. Es gibt Züchter und ich hab das eine Zeitlang auch so gemacht, die sagen, am Tag an dem gemistet wird, sollen die Tiere das frische Stroh knabbern, sie brauchen dann kein Heu. Ich habe allerdings festgestellt, gerade bei Jungtieren bis zur ca. 12-14. Woche, dass die Tiere 1 bis 2 Tage nach dem Misten häufig Durchfall hatten. Seitdem ich den Tieren auch am Misttag Heu gebe und sie weniger von dem „frischen“ Stroh fressen, habe ich diese Probleme nicht mehr. Beim „warum“  erscheint es mir allerdings logisch, wenn ich mir überlege, wie oft das Getreide gegen welche Schädlinge auch immer, gespritzt wird. Das kann für unsere Tiere nicht gesund sein. Aber dies nur am Rande.

Sollten die Häsinnen tragend sein, so bekommen sie absolute Ruhe. Die Versorgung verläuft allerdings weiterhin wie gehabt. Hier und da mal ein Leckerli extra aber ansonsten keine doppelte Portion. In den letzten 2 Tagen vor dem Wurf, gebe ich zwei Tage hintereinander Vitamine und Mineralien ins Trinkwasser. (Vitamine aus dem DM-Markt, Mineralkonzentrat aus dem Taubensport) früher gab ich eine Prise Salz ins Wasser, das ging auch. Allerdings streue ich bei der Heueinlagerung schon reichlich Salz zwischen die Ballen, so dass ich denke, dass die Tiere in der Regel genügend Mineralien haben. Das Salz zwischen dem Heu hilft gegen ungebetene Schadnager. Ab dem Tag des Wurfes erhält die Häsin doppelte Portion zu fressen, nicht etwa, weil sie es direkt bräuchte, allerdings soll die Milchproduktion angeregt werden. Ich glaube, dass die Geburt an sich, die Vitamingabe und die zusätzliche Portion die Milchproduktion einleiten bzw. unterstützen. Früh im Jahr gehe ich dann auch schon mal hin und lasse Linsen keimen (trockene Linsen aus dem Supermarkt 2-3 Tage ans warme helle Fenster gestellt und feucht halten), die ich dann den jungen Müttern füttere. Dann gibt es reichlich Milch. Diese Maßnahme kann ich nur jedem Züchter der großen Rassen empfehlen. Die Jungen gedeihen wirklich prächtig. Nestkontrollen mache ich nach der Geburt 3 Tage lang täglich, damit ich sehe, ob alle Jungtiere mit Milch versorgt werden. Danach begutachte ich das Nest bei jedem Füttern von außen. Nach 10-12 Tagen kontrolliere ich dann die Jungtiere, ob sich die Augen geöffnet haben. Ich belasse grundsätzlich alle Jungtiere im Wurf. Ich bin ein Verfechter der Nestauslese. Einfarbige und Chaplins werden bei mir nicht ausgemerzt. Ich glaube, dass dies ein Grund dafür ist, dass die Wurfleistung meiner Tiere noch recht ordentlich ist. Im Schnitt kommen 4-7 Jungtiere zur Welt. Für die Ausstellung unbrauchbare Tiere gebe ich dann als Spielkaninchen ab. In der Regel lasse ich die Häsin 3 Wochen nach dem Wurftag erneut belegen. Abgesetzt wird  sie dann eine Woche bevor der nächste Geburtstermin ist. Ich nehme dann immer die Häsin und setzte sie in einen Neuen Stall. Die Jungtiere belasse ich  in ihrem „Geburtshaus“ noch ein paar Tage zusammen. Beim Auseinandersetzen der Jungtiere mache ich keinen radikalen Schnitt von der Großfamilie zum Single, sondern trenne zuerst ich die Jungen nach Geschlechtern. Eine oder zwei Wochen später dann immer 2 zusammen und wieder eine Woche später dann Single.

Wenn gegen Mitte Ende Mai dann die Häsinnen die letzten Würfe liegen haben und die ersten Jungtiere tätowiert sind und alleine sitzen, werden die Alttiere aussortiert. Welche Mutter hat welche Wurfergebnisse. War die Aufzucht problemlos, waren die Deckakte einfach, wie sieht die Nachzucht aus. Nach all diesen Überlegungen trenne ich mich von einigen Althäsinnen und evtl. auch von Rammlern. Bei den Jungtieren, denen nun meine ganze Aufmerksamkeit gehört, beginne ich ab Mitte Juni mit der Vorbereitung auf die Ausstellungssaison. Die Jungen werden an den Tisch gewöhnt, es wird ihnen ein bisschen Stellung beigebracht, sie werden regelmäßig an die Hand gewöhnt und die Entwicklung wird beobachtet. Die Tiere werden regelmäßig gewogen um die Fütterung anpassen zu können. Bei der Fütterung achte ich immer darauf, dass die Näpfe am Folgetag leer sind. Ich füttere einmal am Tag (50 Gramm/Tier) und das in den Abendstunden. Sollte ein Tier das schon längere Zeit alleine sitzt einmal nicht seinen Napf leer gefressen haben, ist das für mich ein erstes Warnsignal. Ich nehme das Tier aus seinem Stall und inspiziere es, der Bauch wird abgetastet und der Kot wird mit dem Auge untersucht. Auch meine Nase kann mir dabei hilfreiche Eindrücke liefern. Das Tier bekommt je nach „ Diagnose“ erst einmal aus dem Garten z.B. Petersilie, Oregano, oder andere schmackhafte Kräuter. Ich habe allerdings auch immer ein Mittel gegen Kokzidiose im Haus. Beim Füttern von Jungtieren lasse ich mir immer reichlich Zeit. Mir gefällt das Geräusch nach dem Füttern, wenn es überall schmatzt und Bewegung in den Ställen ist. Ich sitze dann oft noch 10-20 Minuten auf der Futtertonne und schau den Tieren beim Fressen zu. Ich nenne das" Aufmerksames Füttern." Hier kannst du als Züchter viel Unheil vermeiden, wenn du deine Tiere beobachtest und dir diese Zeit nimmst. Krankheiten müssen früh erkannt werden und früh behandelt werden, nur dann hältst du Schaden von den Tieren fern. Ab Anfang Juli beginne ich meinem Pelletfutter am Vortag mit Öl anzusetzen. Ich gebe auf ca. 1Kg Futter 100 ml Öl. Ich verwende dazu Kaltgepresstes Leinöl aus dem Pferdesport und Oreganoöl aus dem Brieftaubensport.

Das Öl schütte ich am Abend des Vortages auf das Futter und mische es gut durch. Am nächsten Tag sind die Pellets fast schwarz und haben sich mit dem Öl vollgesaugt. Jetzt kann ich z.B. Futterkalk darüber geben oder auch später Bierhefe. Der Kalk und die Hefe haften sehr gut an den feuchten Pellets. Am nächsten Tag mische ich dann die „schwarzen“ Pellets mit normalem Pelletfutter und mit meinem „Pferdemüsli“ (High Energie, Landmühle) welches ich ganzjährig unter das Futter mische und gebrochenem Mais und Sonnenblumenkerne. Das Verhältnis beträgt 1 zu 2 zu1. In mein Trinkwasser kommt ganzjährig Ovator ph control 5 ml auf 5 Liter Trinkwasser. Weitere Trinkwasserzusätze wie Wurmkuren oder Vitamingaben kommen immer noch zu meinem fertigen PH Control-Wasser hinzu. Ich reiche meinen Tieren das Trinkwasser in Edelstahlnäpfen von 300 ml. Säugende Häsinnen trinken diese Gefäße bis zu 3mal am Tag leer. Die Näpfe werden 2x / Woche gereinigt, um den Ansatz von Bakterien oder Pilzkulturen zu verhindern. Fühlen sie mal an den Wänden ihrer Tränken, sollte sich dort ein schleimiger Belag befinden, so ist dies der ideale Nährboden, für alles was unsere Tiere krank macht. Wurmkur mache ich mit den Jungtieren und den Alttieren einmal vor der Haarung so Anfang Juli  und vor der Schausaison Anfang Oktober. Vor den Schauen suche ich mir dann meine Zuchtgruppen zusammen, die ich ausstellen will. So beginne ich mit dem Schaufertigmachen in der Regel schon 14 Tage bis 3 Wochen  vor der Schau. Krallen schneiden, evtl. ein paar weiße Haare entfernen, häufigeres bürsten etc. So bleiben am Einsatztag nur noch die Geschlechtsecken zu putzen und dann zu hoffen.

Ich hoffe, ich konnte euch mit meinen Zeilen evtl. den einen oder anderen Praxistipp geben. Solltet ihr etwas gänzlich anders machen oder der Meinung sein, dass Auszüge aus meinen Darlegungen gänzlich falsch sind, so verweise ich noch einmal auf den Anfang dieses Berichtes, er hat keinen Anspruch auf wissenschaftliche Vollkommenheit.

Ich hoffe, dass Ihr alle noch lange unserem Hobby treu bleibt und wünsche euch die erhofften Ausstellungserfolge und verbleibe mit dem Gruß

„GUT ZUCHT“

Stefan Simon

RfÖ der AG

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