Ein Bericht von Norbert Bissa Mecklenburg-Vorpommern

Schon als 5 - jähriger Junge begeisterten mich Kaninchen. Mein erstes Tier war eine Kreuzung aus Deutschen Widder und Deutschen Riesen.

Zur Rassekaninchenzucht kam ich aber erst viel später als fast 30 jähriger.

Als Jugendlicher hielt ich Kreuzungskaninchen für den Eigenbedarf und zum abliefern.

Es gab damals 12,20 Mark der DDR/kg Lebendmasse. Dies war natürlich eine schöne Nebeneinnahme. Oft besuchte ich die Vereinsschauen des M 3 Bützow. Hier erwarb ich meistens Rammler und Häsinnen verschiedener Rassen zu Kreuzungszwecken.

1984 wurde ich dann vom damaligen Vorsitzenden angesprochen. Er meinte ich könnte ja auch in den Verein eintreten. Dieser Gedanke war mir noch nie gekommen.

So trat ich 1985 in den Verein M 3 Bützow ein. Zur damaligen Zeit hatte unser Verein 40 Mitglieder (Tendenz steigend). Meine erste Rasse waren Weiße Neuseeländer. Diese Rasse bevölkerte meine Stallanlage aber nur 1 Jahr. Mich begeisterten die Großwidder, wie sie in der damaligen DDR genannt wurden. Ich erwarb eine Häsin und einen Rammler. Die Häsin warf 10 Jungtiere und zog alle ohne Probleme auf. Ich stellte in diesem Jahr 6 Tiere in zwei 3-er Kollektionen aus. Das Ergebnis war, dass alle Tiere mit Sehr gut bewertet wurden. Ich weiß nicht warum, aber irgend wie war mir dies etwas wenig Herausforderung.

1986 fuhr ich im Rahmen einer Dienstreise zur alljährlich stattfindenden AGRA nach Leipzig. Hier sah ich zum ersten Mal Großwidder mantelgescheckt in schwarz-weiß.

Ich war begeistert. Es war zu Werbezwecken in einem gesondertem Zelt Rassekaninchen von den Sachsen ausgestellt. Es stand eine schwarz - weiße Häsin mit 3 Jungtieren. Auf Nachfrage konnte ich ein Jungtier erwerben. Diese Häsin zog im Frühjahr 1986 in meinen Stall ein und von da an bis heute sollte es meine Hauptrasse sein und bleiben.

Blauäugig wie ich war, glaubte ich, nun könnte ich mir einen Rammler kaufen und mit der Zucht beginnen. Auf Nachfrage bei meinem Vorsitzenden zu Züchteradressen, lachte dieser und klärte mich über die Seltenheit dieses Farbenschlages in der DDR auf.

Er gab mir aber trotzdem eine Adresse eines damaligen Spitzenzüchters aus Eilenburg in Sachsen. Dieser Züchter war Josef Wittor. Ich schrieb einen langen Brief und bat um den Erwerb eines Zuchttieres, nicht unter 94 Punkten. Sofort bekam ich Antwort und musste mich aufklären lassen, dass Tiere von 94 Punkten in diesem Farbenschlag etwas Besonderes wären, und was ich mir überhaupt einbilde, ich könnte ihn ja besuchen kommen und vielleicht bekomme ich dann auch ein Zuchttier. Dies tat ich dann auch.

In seiner Zuchtanlage angekommen, konnte ich mich dann von den schönen Tieren überzeugen. Nach einigen Gesprächen und einige Kräuterschnäpsen reiste ich zufrieden mit einem 94 Punkte Tier wieder ab. Nun stand der Zucht mit allen Schwierigkeiten dieser Rasse nichts mehr im Wege.

Unsere Deutschen Widder haben nach dem Standard eine Gewichtskala, für die volle Punktzahl, von 5,5 - 9,0 kg. Zu Zeiten des VKSK (DDR)waren Gewichte um die 6 kg

schon sehr gut. Dies erreichten bei den schwarz - weißen meistens nur die Häsinnen, Rammler lagen bei 5,8 - 5,9 kg. Die Gewichtsentwicklung war oft den spärlichen Futtermöglichkeiten geschuldet. Die heutigen Deutschen Widder bewegen sich weit über der 6 kg Grenze. Die Festlegung der Standardkommission auf ein Höchstgewicht von 9 kg fand ich richtig.

Der Rassetyp unserer Deutschen Widder schwarz - weiß ist die gedrungene, breite und massige Körperform. Leider muss ich in den letzten Jahren feststellen, dass der Trend bei einigen Tieren zu einer etwas gestreckten Form geht. Diese Tiere erreichen Gewichte weit über 8 kg, haben aber oft nicht mehr die gewünschte typische Form des Deutschen Widders. Auch hier sollten unsere Preisrichter den Standard besser anwenden.

Beim Fell scheiden sich oft die Geister. Es gibt einige Zuchten mit einem ansprechendem Fell, ca. 4 cm lang und guter Dichte mit nicht zu harter Begrannung. Leider werden diese Vertreter nicht immer so herausgestellt, wie es eigentlich sein müsste.

Die Kopfbildung bereitet den meisten Zuchten keine Probleme und ist auch eine Paradeposition unserer Deutschen Widder in schwarz - weiß.

Der Behang sollte zwischen 38 - 45 cm liegen. Meines Erachtens wirkt er am besten, bei einer Länge um die 43 cm mit einer gut ausgeprägten Krone und festem Gewebe.

Die meisten Probleme treten bei der Position Farbe und Zeichnung auf. Leider werden hier oft 9,5 bzw. 10 Punkte von unseren Preisrichtern leichtfertig vergeben.

10 Punkte, dass heißt, keine Durchsetzung der Decke, Mantel perfekt, Bauchdecke schön hell, keine Brustflecken, sehr schöner Glanz, kein Anflug von Rost und so weiter.

ich bin der Meinung, dass sich unsere Preisrichter diese Position zu einfach machen.

Aber gerade die super Zeichnung mit einem schönen farblichen Glanz, vollendet doch erst das Erscheinungsbild unserer mantelgescheckten Deutschen Widder.

Oft habe ich auf großen Schauen Deutsche Widder mit überwiegend gefärbten Bauchdecken, fast vollständig gefärbten Blumenunterseiten und Brustflecken gesehen, welche dann aber nur 0,5 - 1 Punkt abgezogen bekommen haben. So fördern wir unsere mantelgescheckten Widder nicht.

Ich weiß aus meiner persönlichen Erfahrung, dass die Züchterschaft, welche sich mit den mantelgescheckten Deutschen Widdern beschäftigt, immer weniger wird.

Meine langjährigen Mitstreiter wie Jens Waldmann, Andreas Schneider, Hartmut Phillipp oder Bernd Adam, werden auch nicht jünger. Waren es auf den ersten Bundesschauen noch über 60 schwarz - weiße Deutsche Widder, so sind wir jetzt aktuell (Kassel) bei 32 Tieren gelandet und die Tendenz ist fallend. Bei den anderen Farbenschlägen der gescheckten Widder sieht es ähnlich oder sogar noch schlechter aus.

Die Entscheidung des ZDRK zu den stark gefährdeten Rassen halte ich für gut, aber auch gleichzeitig für unglücklich. Der Deutsche Widder ist nicht gefährdet als Rasse.

Die mantelgescheckten Deutschen Widder in ihren Farbenschlägen schon. Dies sollte der ZDRK vielleicht in seine Überlegungen einfließen lassen, bei stark gefährdeten Rassen auch über Farbenschläge gesondert nach zudenken.

Mein Wunsch wäre es auch, dass die Clubvereinigungen stärker dieses Problem an den ZDRK heran tragen würden.

Abschließend wünsche ich mir, dass ich bei einer der nächsten Großschauen, mit meinen Freunden der mantelgescheckten Widder, bei unseren Tieren feiern und uns wieder über 200 mantelgescheckte Deutsche Widder in alle Farbenschlägen freuen kann.       

Norbert Bissa/ WC Mecklenburg-Vorpommern

                          WC Brandenburg

Wir bedanken uns bei Zuchtfreund Norbert Bissa für diesen Bericht.

Design by Wolfgang Jensen

© 2000-2015 für den Widderclub U100 Schleswig-Holstein und die AG der Widderzüchter im ZDRK.  PHP-Programmierung Frank Waffen, Datenbankverwaltung Jürgen Hölter, Seitenerstellung Wolfgang Jensen