Wie in jedem Jahr trafen sich auch in 2010 die Mitglieder der internationalen Interessengemeinschaft der Englischen Widder Züchter zu einer Jahreshauptversammlung und zum verleben eines Wochenendes angenehmer Stunden in Gesellschaft Gleichgesinnter. Dazu hatte vom 29. bis 31. Oktober Tobias Kullbach die Mitglieder aus nah und fern in seinen Heimatort Pohlheim-Garbenteich eingeladen, wo er gleichzeitig Gastgeber der Clubschau des Widderclubs Hessen-Nassau war. Die Gelegenheit Tiere zu präsentieren wurde von einigen IG-Mitgliedern ebenfalls genutzt, um die Rasse einem weiteren Publikum vorzustellen (s.u.).

Die Teilnehmer reisten freitags an und nach einem leckeren Mittagessen machte man sich auf, die anwesenden Widder Kaninchen sein zu lassen und das Giessener Mathematikum, ein „Mitmach-Museum“ zur Mathematik, zu erkunden und mit eigenen Händen die spannende Welt der Mathematik mit mal einfachen, mal etwas kniffligen Experimenten selbst zu erfahren. Dabei verblüffte so manches Experiment und sicherlich hat der ein oder andere auf diese Weise neue Seiten dieser als trocken geltenden Wissenschaft sowie ihrer Nutzungsrichtungen entdeckt.

Am Abend dann trafen sich die anwesenden 12 IG-Mitglieder zusammen mit den Gästen zu einem gemütlichen Essen und der anschließenden JHV, die in gewohnt routinierter Manier von unserem 1. Vorsprecher René Karpf geleitet wurde. Man schaut auf ein ruhiges Jahr zurück und positiv in die Zukunft! Denn obwohl die Züchterzahlen in der Schweiz rückläufig sind und wie in jeder anderen Organisation in der Kleintierzucht auch bei der IG der ein oder andere Züchter die Zucht hat aufgeben müssen, bleibt durch Eintritte neuer, jüngerer Züchter der Mitgliederstand relativ konstant und beläuft sich auf derzeit 54. Mit Ingo Regen, LV Hessen-Nassau, konnte bei dieser JHV gleich ein Neumitglied in den Reihen der IG begrüßt werden.

Auch in der Farbskala unserer Rasse ist vieles in Bewegung. So konnten in diesem Jahr 15 verschiedene Farben bei der Nachzuchterfassung unter den anwesenden Züchtern gemeldet werden.

Den Samstag verbrachten die Anwesenden zunächst mit einer Kutschfahrt durch die Umgebung von Lich, um dann bei der Schaueröffnung der Widder-Clubschau mit angeschlossener EW-Sonderschau dabei zu sein. Der Abend endete mit gemütlichem Beisammensein, wobei einige weit angereiste Zuchtfreunde schon die Heimreise antreten mussten.

Der Sonntag ließ das Wochenende im Zeichen der EW-Zucht gemütlich an den Käfigen ausklingen und die Gunst der Stunde wurde von PR Stefan Marquardt, einem der erfahrensten Züchter in unseren Reihen, genutzt, um bei einer Tierbesprechung den Zuhörern die Rasse und ihre Beurteilung näher zu bringen. Dabei machte der Wechsel aus der Schauhalle ans Tageslicht aus dem ein oder anderen besprochenen Tier doch mehr, als es zunächst im Schaugehege zu sein schien, so dass auch auf Feinheiten in der Färbung besser eingegangen werden konnte.

EW-Sonderschau

Leider hatten aufgrund terminlicher Zwänge und einiger persönlicher Umständen nur 18 Tiere aus drei Zuchten aber in immerhin 7 Farbenschlägen den Weg nach Pohlheim gefunden, von denen zwei im Rahmen der Widderclubschau Hessen-Nassau präsentiert wurden. Insgesamt war es eine tolle Kollektion, die direkt am Eingang der Ausstellungshalle einreihig aufgebaut präsentiert wurde, so dass jeder Besucher auf diese Werbeschau zulaufen musste.

Für alle Farbenschläge gilt, dass weiterhin an einigermaßen abgerundeten Hinterpartien gearbeitet werden muss, sowie das gebogene Nasenprofil grade bei den häufiger gezüchteten Farben schwarz und thüringerfarbig deutlich zu sehen sein muss, wenn man vorne mitspielen will und an sich selbst den Anspruch stellt, nicht nur punktemäßig schöne sondern rassetypische Englische Widder zu züchten. Auch die Felle bedürfen hier und da noch einer Überarbeitung. Aber betrachten wir die gezeigte Kollektion entsprechend der vorgestellten Farbenschläge:

2,1 Schwarze aus der Zucht des Gastgebers Tobias Kullbach, Pohlheim, die in den Einzelpositionen überzeugen konnten und so mit Noten zwischen 95 und 96,5 bewertet wurden, eröffneten die Kollektion. Auffallend war grade bei der mit HV 96,5 Punkten bewerteten Häsin der lange Vorkopf sowie bei allen dreien das glänzende Fell. Von Seiten des Berichterstatters und für alle Besucher ersichtlich aber war, dass den Tieren in Sachen Körperrahmen im Vergleich mit anderen anwesenden Tieren einiges fehlte und sie daher im Tier-Tier-Vergleich teils etwas zierlich wirkten. Auch hätten die Köpfe im Verhältnis zum Körper mehr Masse und grade bei den Rammlern deutlicheren Rams vertragen können, denn grade Nasenrücken entsprechen bei schwarzen EW nicht dem Zuchtstand. Auf weiße Durchsetzung muss in der Zucht der Schwarzen zukünftig geachtet werden, wie sich auch hier im Rahmen der Tierbesprechung herausstellte.

Die gezeigten 3,4 Thüringer ebenfalls aus der Zucht von Tobias Kullbach, Pohlheim, glichen in den Kritikpunkten ihren schwarzen Verwandten, waren aber vom Entwicklungsstand sehr unterschiedlich so das einige Tiere leider schon im Gewicht Punkte liegen lassen und sich mit G-Noten begnügen mussten. Obgleich hier das beste Tier mit V 97 Punkten zu sehen war, ließ die Gesamtkollektion doch nicht darüber hinweg täuschen, dass die Abzeichen hier und da recht schwach ausgeprägt waren und die Köpfe auch ramsiger hätten sein können. Teils saß die Fellhaut recht locker.

Bei den so häufigen Thüringerfarbigen muss und kann die Messlatte sehr hoch gelegt werden, denn hier werden nicht nur die meisten Jungtiere aufgezogen, sondern auch die Tiere mit dem höchsten Zuchtstand präsentiert. Daher sind grade in diesem Farbenschlag die Züchter gehalten, gegen weiße Durchsetzung konsequent zu selektieren und auf typische Kopfprofile zu achten.

Die ZG Wellnitz Fritz, Bonn, zeigte 1,1 Gelb. Diese Tiere bestachen durch Gewichte von über 5 kg ohne plump zu wirken sowie kräftige, lange Körper bei gutem Stand. Farblich konnten sie gemessen am Zuchtstand voll überzeugen. Beide erreichten 96 Punkte.

Ein einzelner großrahmiger eisengrauer Rammler des Züchters Ingo Regen, Grünberg, warb im Rahmen der Widderclubschau mit HV 96,5 Punkten für seinen Farbenschlag. Das Tier, das über einen schönen, langen Körper verfügte, präsentierte sich als typischer Rassevertreter mit gutem Behang, der richtigen Tragweise der Ohren und toller Farbe. Für einen so seltenen Farbenschlag war das Kopfprofil annehmbar. Trotz aller guter Ansätze, hätte die Fellhaut aber viel straffer sein müssen.

Ingo Regen, Grüberg, war es auch, der daran anschließend noch einen wildfarbig-weißen Rammler an gleicher Stelle präsentierte. Mit hoher Stellung und feinem Körperbau war das Tier sehr schön anzuschauen. Leider aber war die Zeichnung im Schnauzbereich auffallend hell und die Ohrhaltung sehr steif. Die Ohren wirkten darüber hinaus auch rasseuntypisch schmal. Er erreichte 95,5 Punkte. Solch untypischen, steifen Behänge erinnern an andere Rassen und gehören daher weder in den Ausstellungskäfig noch in die Zucht. Sie sind darüber hinaus auch in anderen Farbenschlägen schon zu beobachten gewesen.

Eine einzelne eisengrau-weiße Häsin der ZG Wellnitz-Fritz, Bonn, vertrat ihren Farbenschlag zur vollen Überzeugung aller Betrachter und eröffnete den Reigen der Schecken im Rahmen der IG-Schau. Auf langen Vorderläufen stehend konnte das elegante Tier mit einem schönen gebogenen Nasenrücken farblich wie zeichnungsmäßig gefallen und bekam 96 Punkte. Der Fellglanz beeindruckte.

Ein weiteres Highlight der kleinen Sonderschaukollektion waren die 1,1 Schwarz-weiß ebenfalls aus dem Stall der ZG Wellnitz-Fritz, Bonn. Mit ramsigen, kräftigen Köpfen, einer auffallend reinen, glanzreichen Farbe sowie vorbildlicher Zeichnung ließen sie so manchen Betrachter staunen. Auch die Stellung stimmte, so dass abermals zweimal 96 Punkte vergeben wurden.

Für viele der Anwesenden IG-Mitglieder sicherlich DIE Überraschung beschloss eine 0,1 Blaugrau-weiß diese Sonderschau. Da sie nicht über die längsten Ohren verfügt, musste sie trotz der einzigen 19er Körperform aller in Pohlheim gezeigten EW Punkte liegen lassen und bekam insgesamt 94 Punkte. An der Zeichnung war auch hier nichts auszusetzen, so dass der Anfang in dieser Farbe geglückt ist. Sie gehörte wiederum der ZG Wellnitz-Fritz, Bonn.

Schlussbemerkung

Dem Ausrichter Tobias Kullbach sei auch an dieser Stelle noch einmal sehr sehr herzlich für seine Mühen und Arbeiten rund um dieses Wochenende gedankt! Der einzige Wehrmutstropfen mag sein, dass nicht noch mehr Züchter an diesem Rassevergleich teilgenommen haben. Dass aber die vorgestellten Tiere von Züchtern der jüngeren Generation präsentiert worden sind unterstreicht den Aufwärtstrend dieser Traditionsrasse in Deutschland!

Andererseits sind wir natürlich über jeden neuen ernsthaften Mitstreiter grade im Bereich der seltenen Farbenschläge (Graureihe, Weiß RA, Blaureihe) sehr dankbar. Wenn also auch Sie sich nun dazu hingerissen fühlen sollten, es einmal mit einem „Kaninchen für die Seele“ zu versuchen, wenden Sie sich doch unverbindlich an die Internationale IG der Englisch Widder Züchter unter: www.englischwidder.ch.vu oder an den Berichterstatter unter pfritz@uni-bonn.de.

Phillip Fritz

Wir danken Zuchtfreund Phillip Fritz für den Bericht und für die Bereitstellung der Fotos.

Das Copyright für diesen Bericht und die Bilder liegt bei dem Züchter Phillip Fritz bzw. der Arbeitsgemeinschaft der Widderzüchter.

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