Das Englische Widderkaninchen (EW) mit seinen langen Ohren gehört zu den ältesten Kaninchenrassen Europas und war vor 120 Jahren sehr stark verbreitet. heute sind es noch wenige Züchter, die ihm huldigen. Den Tierschützern ist die Rasse ein Dorn im Auge. Aber bei keiner anderen Rasse ist der Zusammenhalt in Europa so stark wie bei den Englischen Widdern. Jedes Jahr im Sommer trifft sich die Interessengemeinschaft (IG) "Zuchtfreunde Englischer Widderkaninchen", um die Kameradschaft zu pflegen, Erfahrungen und Gedanken auszutauschen, um die Jahreshauptversammlung abzuhalten und um die Zucht und Zukunft der Rasse zu besprechen.

Am 07.-08. September 2002 tagte die IG zum 13. Mal, diesmal in Salem, unweit des Bodensee-Nordufers. Als Versammlungslokal diente das geräumige Züchterheim des Kleintierzuchtvereins Salem mit über 100 Sitzplätzen. Angebaut ist ein Ausstellungslokal, das rund 500 Kaninchen aufnehmen kann. Der Samstagabend galt der Jahreshauptversammlung, an der 22 Personen teilnahmen und am Sonntagmorgen fand die die internationale Tierbesprechung statt.

Aus der Versammlung

Als Präsident der IG amtet der Schweizer Ren'e R. Karpf aus Gerlafingen (SO). Ehrend gedachten die Anwesenden der in diesem Jahr verstorbenen Käthe Wilden aus Köln. Rösli Karpf entzündete für die Verstorbene während der Tagung eine Kerze.

So ähnlich möchte man in Zukunft die Englischen Widder sehen: mit etwas Eleganz und Haltung.

Schwerpunktthema war das Traktandum "Zukunft der Englischen Widder, Standard in Europa, Deutschland und der Schweiz". Karpf informierte über sein Schreiben an Jacques Witry aus Schouweiler (L) der Mitglied der europäischen Standardkommission ist und im Zusammenhang mit der Revision des Europastandards die Aufgabe hatte, den Text bei den Englischen Widdern zu überarbeiten. Eine Antwort habe er bis heute von der europäischen Standardkommission nicht erhalten.

Karpf äußerte große Bedenken für die Zukunft der Englischen Widder. Die Züchterschar  werde immer kleiner. Dazu komme der Beschluss der ZDK- Standardkommission,  nach einer Übergangszeit ab 2006 die EW bei einer Ohrenspannweite von über 60 cm von der Bewertung auszuschließen. Für diesen Beschluss gab es in der IG kein Verständnis.  Ja, man vermutet sogar,

die ZDK - Führung wolle die EW gezielt sterben lassen. Man habe an die ZDK-Führung geschrieben, aber auch keine Antwort erhalten. Ist das wahr und wenn ja, warum? Wir müssen uns doch mit den Sorgen und Anliegen dieser Züchter auseinander setzen.

Oder ist es tatsächlich so, wie Siegfried Liedtke im DKZ 15/2002 schrieb: >>Was drei Weltkriege (der Krieg von 1870/71 mitberücksichtigt) nicht geschafft haben, soll nun der Paragraph 11b des Tierschutzgesetzes in Deutschland bewirken, nämlich den Rassewert der EW auf ein Minimum zu beschränken, der seit 140 Jahren in guten und in schlechten Zeiten von Mehreren Generationen aufrecht erhalten wurde.

Es ist sicher falsch, den heutigen Züchtern den Vorwurf der Exzucht zu unterstellen, denn sie haben die Rasse nur als >>Kulturgut<< übernommen und weiter gepflegt. Falsch war sicher auch die Zucht auf möglichst langen Behang (Ohren). Ja, man hielt vor fast hundert Jahren die EW sogar in Backstuben, weil die Wärme das Wachstum der Ohren (Behang) steigerte.

Blick in die Internationale Tierbesprechung

Falsch war auch über viele Jahre die Präsentation der EW mit tiefer Haltung und möglichst gut sichtbaren langen Ohren. Erschreckend ist auch, wie viele Jungtiere dieses Jahr vermutlich infolge der Darmerkrankung Enterocolitis eingegangen sind. Mehrere langjährige und treue Mitglieder haben im Moment nur wenig Tiere. Dazu kommt der Rückgang an Züchtern. Ja, man muss Bedenken von IG Vorsprecher Ren'e R. Karpf verstehen und sich ernsthaft fragen: Stirbt hier bald einmal eine alte europäische Rasse, wertvolles Kulturgut, aus?

Oder gibt es doch noch Hoffnungsschimmer ?

Dieter Plumans aus Kelmis (B) schlägt in seinem Bericht (vgl. >>Tierwelt<< Ausgabe vom 06.09.2002, Seite 8) vor, mit dem Messen der Ohrenspannweite überhaupt aufzuhören, also die Position >>Ohrenspannweite<< überhaupt aus dem Standard zu streichen. Das Körper -gewicht und der Typ seien doch maßgebend. Der Vorschlag von Plumans ist ein ganz wichtiger Ansatz, um die Rasse zu retten.

In Salem stellte Alfred Hengstler aus Konstanz (D) - Obmann, Sekretär und Vize-Präsident des Schweiz. Englisch-Widder-Klubs fünf Tiefe in den Farben schwarz, Eisen- und Hasengrau vor. Man muss es gesehen haben, welches Temperament vor allem die Jungtiere mit schon recht langem Behang zeigten. Sie waren in den großen Boxen und führten weit mehr als zwei Hoppelsprünge aus.

Ren'e R. Karpf Vorsprecher der IG, dankte  Alfred Hengstler aus Konstanz für die  sehr   gute Orga- sation des Treffen.

Foto: Arnold

Eine große Quelle der Rasse in Deutschland sind heute die Züchter Erich Münkenwarf aus Nesse in Ostfriesland und Günther Reinhold aus Tann/Rhön. Münkenwarf hält heute um die 40 Tiere in Thüringer -farbig, Blau und Schwarz. Gesundheitliche Probleme hat er mit seinen Tieren nicht. Er füttert nur Pellets, Wasser und etwas Heu. Auch Günther Reinhold hat um die 40 Tiere in Thüringerfarbig und Blau. Alfred Hengstler aus Konstanz konnte nun wieder ein Kaninchenhaus erwerben und dadurch viel mehr EW halten. Auch in der Schweiz gibt es ein paar Unentwegte, die das Kulturgut Englische Widderkaninchen erhalten wollen, angeführt von Rösli und Ren'e Kerpf sowie Klubpräsidentin Marica Hug aus Züberwangen (TG). Der erfolgreichste war aber in den letzten Jahren Sepp Studer aus Schüpfheim (LU), der  seine Tiere  mit großem Erfolg bei vielen Ausstellungen zeigt.

Sie alle tragen dazu bei, dass das Englische Widderkaninchen - eine alte europäische Kaninchenrasse - nicht ausstirbt. Die IG mit seinen 43 Mitgliedern will sich vom 19. bis 21. September 2003 in Tann/Rhön bei Günther Reinhold wieder treffen.

Anton Arnold

Das Copyright für diesen Bericht und die Bilder liegt bei dem Züchter Anton Arndt bzw. der Arbeitsgemeinschaft der Widderzüchter.

Quelle: Deutscher Kleintier-Züchter 13. Dezember 2002 Nr. 23

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