Beim Treffen in Schottenstein konnte 1. Vorsprecher Gerhard Köhler 26 Zuchtfreunde in seinen Anlagen begrüßen. Für die weiteste Anreise erhielt Erich Münkenwarf aus Ostfriesland (950 Km) als kleines Dankeschön für seinen Idealismus eine Flasche Franken Wein. Erfreulich, dass auch Züchter aus der DDR und auch Frankreich den weiten Weg ins Frankenland auf sich genommen haben. Der Samstag schloss nach einer Busfahrt zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten mit einem gemütlichen Beisammensein.

Der Sonntagmorgen stand ganz im Zeichen der Zucht. Stolz konnte Gerhard Köhler von derzeit 50 Mitgliedern in der IG berichten. Damit wurden seine Erwartungen bei der offiziellen Gründung vor zwei Jahren in Pirmasens weit übertroffen, zumal sich nicht nur der ZDK-Präsident Franz Jacobs, sondern auch 12 PR der IG angeschlossen hatten.

ZDK-Präsident Jacobs gab in einem Schreiben seiner Freunde darüber zum Ausdruck, dass sich Züchter zusammen gefunden haben, um die seltenen Englischen Widder zu verbreiten. Zur Hauptaufgabe der IG zählt die Erhaltung dieser Rasse, die in der letzten Zeit sehr an Qualität verloren hat, besonders wegen des fehlenden wichtigen Blutaustausches. Man bedenke, dass diese Rasse einmal so beliebt war, dass sie um 1900 die dritte Stelle der meistgezüchteten Rassen in Deutschland einnahm. Da durch die Kriegsjahre der Wirtschaftszucht mehr Bedeutung geschenkt werden musste, fiel diese ausgesprochene Sportrasse immer mehr zurück.

Englische-Widder-Züchter bei der Tierbesprechung in Schottenstein

Vorsprecher Köhler präsentierte den erarbeiteten Leitfaden der IG mit wichtigen Hinweisen und Tipps für die Zucht. Mit ihm dürfte es den Neueanfängern nicht mehr schwer fallen, sich den Englischen Widdern zuzuwenden. Die Einleitungsworte mit der Entstehungsgeschichte der Rasse sind ein internationales Nachschlagewerk.

Zum 5. Vorsprecher wurde Stefan Marquardt aus Worms gewählt, der gleichzeitig die Niederschriften der Versammlungen erledigt.

Die Auswertung der Statistikbögen zeigte, dass es in manchen Bundesländern doch noch recht großen Nachholbedarf im Bezug auf die Anforderungen im Standard gibt. Zwar ist der weiße Farbenschlag eine Bereicherung Bei den Ausstellungen, doch bedarf es hier noch sehr viel züchterischer Arbeit. Köhler kritisierte, dass viele Mitglieder ihren Statistikbogen nicht abgegeben und er so bei diesen keinen Überblick über deren Zuchtstand hat.

Die beste Sammlung mit 384 Pkt. und den Bundesmeistertitel errang im Zuchtjahr 1989 Gerhard Köhler bei der Bundesschau in Stuttgart. Allgemein muss die Ausstellungsfreudigkeit noch etwas erhöht werden, damit die Erfolge der IG auch eine würdige Präsentation finden. 1. Vorsprecher Köhler und Zfr. Wilden waren die einzigen Aussteller der IG bei der Europaschau 1989 in Gent/Belgien. Am Ausstellungsfreudigsten zeigte sich Manfred Weiß, Reichenschwand, mit 44 Tieren, der dafür einen Anerkennungspreis erhält.

Angeprangert wurde, dass manche PR bei der Behanglänge auf der Bewertungskarte einfach 13 oder 14 Punkte vergeben, aber dies nicht mit ihren gemessenen Maßen dokumentieren. Johann Kopp, Frankfurt, musste bei einem seiner Tiere eine Behangdifferenz von 5 cm innerhalb von 3 Wochen, von dem selben Preisrichter bewertet, hinnehmen. Das diese Zentimeter natürlich zu erheblichen Punktanzügen führen und somit eine Sammlung mit 4 Tieren leicht 6 bis 8 Punkte abqualifizieren, dürfte jedem klar sein. Vorsprecher Köhler beruhigte nach heftiger Diskussion die Gemüter wieder und erklärte, dass viele Preisrichter diese Rasse noch nie oder ganz selten auf dem Richtertisch bekommen und somit kaum Übung haben. Nur durch Schulungen, bei denen auch Englische Widder behandelt werden, ist es möglich, in Zukunft gerechte Bewertungen zu bekommen. Die Mitglieder der IG sind bereit, hierfür ihre Tiere zur Verfügung zu stellen. Der Vorschlag des 1. Vorsprecher ist es, die Rasse weiter zu verbreiten, weil dann die Wahrscheinlichkeit höher ist, solche Tiere zum Bewerten zu bekommen und somit das Problem des Übens von selber gelöst wird.

PR Johann Koop sprach bei der Tischbesprechung alle Standardanforderungen genau durch. Anhand verschiedener Tiere wurden Mängel und Vorzüge verglichen und herausgehoben. Hierbei wurde den Mitgliedern auch deutlich, dass ein zentimetergenaues messen der Behänge nur schwer nach vollziehbar ist. Man war sich aber einig, dass es bei der Länge der Ohren schon einen Unterschied bis zu 2 cm geben kann. Bei der Behangbreite wurde nur ein Messunterschied bis zu 0,5 cm akzeptiert. Es wurde beschlossen, die nächsten Sommertreffen im September 1991 auf der Insel Reichenau im Bodensee und 1992 in Ostfriesland, direkt an der Nordsee, durchzuführen. Anschließend rief Zfr. Köhler zur Teilnahme an der Bundes-Rammlerschau am 12.-13.01.1990 in Dortmund auf. Hierzu stifteten die Zuchtfreunde Wilder und Günther 5 Ehrenpreise für die besten Einzeltier der verschiedenen Farben.

Mit einer Besichtigung der Zuchtanlage des 1. Vorsprecher Köhlers, sie ca. 15,000 DM gekostet hat, wurde die Züchterversammlung abgeschlossen.

Spätestens beim anschließenden Mittagessen konnte man erkennen, dass wieder neue Züchterfreundschaften geschlossen und gleichzeitig Zuchttiere bestellt wurden.

Zweiter Vorsprecher Paul Wilden, Köln, bedankte sich bei der Familie Köhler und ihren Helfern für die zwei herrlichen Tage und betonte, dass es alles sehr gefallen hat. Ein Beweis dafür ist, dass einige Zuchtfreunde einfach noch einen Tag länger blieben.

Gerhard Köhler

Quelle: Deutscher Kleintier-Züchter Nr. 24/1990

 

Das beste Zuchttier von 1989 in Bezug auf den Behang 70 cm. Der Rammler wurde bei der Bundes-Kaninchenschau in Stuttgart 1990 mit 96,5 Pkt. bewertet (Züchter: Gerhard Köhler, Itzgrund).

Eine Behangbreite von 16 cm verspricht schon einen gewissen Rassewert  (Züchter: Gerhard Köhler, Itzgrund).

Das kleine Mädchen staunte nicht schlecht über die riesigen Ohren dieses Englischen Widders.

 

Das Copyright für diesen Bericht und die Bilder liegt beim Deutschen Kleintier-Züchter bzw. der Arbeitsgemeinschaft der Widderzüchter.

Design by Wolfgang Jensen

© 2000-2015 für den Widderclub U100 Schleswig-Holstein und die AG der Widderzüchter im ZDRK.  PHP-Programmierung Frank Waffen, Datenbankverwaltung Jürgen Hölter, Seitenerstellung Wolfgang Jensen